Alexander Zverev steht zum ersten Mal im Halbfinale eines ATP Masters Turniers – und freut sich, dass die harte Arbeit Früchte trägt.

Es läuft bei Alexander Zverev – der 20-Jährige nimmt während der Sandplatzsaison richtig Fahrt auf und steht nun in seinem ersten Halbfinale bei einem Masters 1000-Turnier. Dass der Deutsche diesen Schritt machen würde, war zu erwarten – aber vielleicht nicht in dieser Woche.

Aber entspricht dieser Schritt seinen Vorstellungen vor dieser Saison oder dem, was er sich erhofft hat?

„Vorstellen kann man sich natürlich solche Sachen schwer, aber erhoffen“, Zverev bricht kurz ab und setzt wieder an: „Ich weiß einfach, welche Arbeit ich gemacht habe in den letzten Monaten und in der Off-Season genauso. Deswegen freue ich mich, dass ich das jetzt alles zeige auf dem Tennisplatz. Ich habe München gewonnen, habe letzte Woche Viertelfinale gespielt, jetzt spiele ich hier Halbfinale.“ 

Nach der klaren Niederlage gegen Rafael Nadal in Monte Carlo an seinem 20. Geburtstag und dem Aus gegen Hyeon Chung auf einem Nebenplatz im nasskalten Barcelona hat Alexander Zverev seiner Sandplatzsaison richtig in die Hufen getreten – und steht jetzt bereits im Jahres-Ranking auf Nummer 6. Ab Montag wird er außerdem definitiv in den Top 15 der Welt geführt.

Aber bis Montag denkt Zverev noch nicht. Dazu ist auch die Chance gegen Aufschlagriesen John Isner am morgigen Samstag im Halbfinale von Rom vielleicht zu gut, auch noch einen Schritt weiter bis ins Finale des letzten großen Sandplatzturniers vor den French Open einzuziehen.

„Gegen John wird das morgen auch noch einmal interessant“, blickte Zverev mit einem Schmunzeln voraus.

„Mein Gott, der Bengel ist gut!“

Erst vor wenigen Wochen auf dem Weg in sein erstes Masters 1000-Viertelfinale hat der Deutsche Isner in einer ganz knappen Partie geschlagen, das Head-2-Head auf 2-0 erhöht. Morgen geht es in die dritte Runde gegen den US-Amerikaner, der Zverev bereits seit seiner Kindheit kennt.

Isner erinnert sich noch an die ersten Bälle, die er damals gegen einen 14- oder 15-Jährigen Zverev geschlagen hat.

„Naja, ich habe mit ihm trainiert als er 14 oder 15 war“, erinnert sich Isner. „Und ich habe so gedacht, „Mein Gott, der Bengel ist gut!“ – er hat auch damals schon einige sehr knappe Bälle im Training gut- oder ausgegeben. Aber sagt ihm nicht, dass ich das gesagt habe“, fuhr der Amerikaner lachend fort.

„Die Zverevs sind eine richtig eingeschworene Gemeinschaft. Mischa hat ein gutes Jahr mit tollen Australian Open. Die zwei unterstützen sich immer. Die Eltern der beiden sind unglaubliche Leute. Ich habe sie mittlerweile auch kennengelernt. Sie sind einfach so bescheiden, geben nie mit etwas an. Sie machen ihr Ding und haben einen Plan für ihre Kinder, einen Plan für Sascha und es scheint aufzugehen. Sascha hört ihnen zu. Er hört seinen Eltern zu, seinem Vater als Coach, seinem Physio. Er hat viele Puzzle-Stücke an der richtigen Stelle.“

Isner und Zverev haben auch in der letzten Off-Season viel Zeit miteinander beim Training in Saddlebrook, Florida, verbracht, wo der 20-Jährige den Grundstein für seine bisherige Saison gelegt hat.

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„Überrascht ist das falsche Wort“

Häufiger kam diese Woche die Frage, wie überrascht der Deutsche von seinem schnellen Fortschritt sei – ob es vielleicht schneller ginge, als er selbst erwartet hat.

„Ich bin nicht überrascht. Überrascht ist das falsche Wort“, antworte der Hamburger dabei mehrfach. „Ich bin einfach froh darüber, weil ich weiß welche und wie viel Arbeit ich in der Off-Season geleistet habe. Wenn man so viel macht, dann kommen die Ergebnisse“, so Zverev über die Früchte seiner Arbeit, die er jetzt erntet.

Das Einzige, was Zverev vielleicht nicht erwartete, ist, dass es gerade hier in Rom passiert. „Es ist etwas überraschend, dass ich noch so gut spiele nach den Wochen auf der Tour. Am Anfang der Woche war ich sehr müde und jetzt fühle ich mich eigentlich besser noch vor einigen Tagen.“

„Ich gebe mir 25%“

Neben dem Eifer und dem spürbaren, unbändigen Ehrgeiz blitzte aber auch Zverevs trockener, jugendlich frecher Humor hier und dort in den Pressekonferenzen immer wieder auf.

„Meine Chance, das Turnier hier zu gewinnen? Naja, es sind morgen noch vier Spieler im Turnier – also gebe ich mir 25%“, gefolgt von einem breiten Grinsen im englischsprachigen Teil der Runde.

Auf deutsch relativierte der 20-Jährige dann aber doch noch einmal etwas:

„Es wird sehr schwer. In Miami war es natürlich auf Hartplatz, das ist vielleicht sein Lieblingsbelag. Aber klar, die Matches werden nicht einfacher und er hat sehr gute Spieler hier geschlagen. Er spielt sehr sehr gut. Er ist sehr ehr gut unterwegs.“

Trotzdem kann sich Zverev morgen Chancen ausrechnen auch das dritte Match gegen den US-Amerikaner zu gewinnen.

Alexander Zverev wird nicht vor 14.30 Uhr auf den nächsten Aufschlagriesen treffen.


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