Was für ein Comeback gegen den Maestro.




Satz eins dauert nur 26 Minuten

Wer Roger Federer auf dem Weg ins Viertelfinale verfolgt hatte, der sah vier ganz souveräne Auftritte: 3:0 gegen Lajovic, 3:0 gegen Lacko, 3:0 gegen (einen starken) Jan-Lennard Struff, 3:0 gegen Mannarino. Das fünfte 3:0 in Serie? Dagegen hatte der Südafrikaner Kevin Anderson etwas einzuwenden. Auch die Nummer acht der Welt war in den ersten vier Auftritten souverän, gab nur zwei Sätze ab.

Im ersten Durchgang des Viertelfinal-Duell war allerdings dann nur ein Spieler souverän: Roger Federer. Und dieser wurde seinem Spitznamen „FedEx“ mehr als gerecht.

0

15

0

0

So lautete die Bilanz der vier Aufschlagspiele, die der Schweizer hatte. Anderson hatte nicht den Hauch einer Chance beim Return. Da der Südafrikaner beim eigenen Service direkt einen Kaltstart erwischte und das Break zum 0:1 kassierte, war der Druck nach nur drei Minuten riesig. Anderson lief dem Rückstand bis zum 2:4 hinterher, ehe er zum zweiten Mal den Aufschlag abgab. 6:2 für Federer nach nur 26 Minuten.

Federer stellt eigenen Rekord ein

Im Durchgang ging es deutlich enger zur Sache. Dieses Mal war es sogar der Südafrikaner, der mit einem schnellen Break zum 2:0 in Führung gehen konnte.

Beim 2:3 hatte Federer allerdings wieder das Rebreak geschafft, beim 3:3 war alles in der Reihe. Das blieb es auch bis zum 6:5, als Anderson beim 30:0 nur zwei Punkte vom Satzausgleich entfernt war. Federers Antwort? Vier Aufschlagwinner in Serie, der Tiebreak musste her. Auch hier machte der Schweizer aus einem 0:2 ein 5:2, gewann schließlich mit 7:5. Die Nummer zwei der Welt egalisierte damit einen eigenen Wimbledon-Rekord: 34 gewonnene Sätze in Serie (turnierübergreifend 2005/2006).

Anderson bricht die Serie

Im dritten Satz war lange Zeit alles in der Reihe. Bis zum 5:4 für Federer ließen beide Akteure nicht einen Breakball zu, mussten nicht einmal über Einstand gehen. Dann erspielte sich der Schweizer den ersten Matchball, den Anderson aber stark abwehrte. Nun spielte der Aufschlagriese befreit auf, holte sich direkt danach das Break zum 6:5 – und wehrte im Anschluss beim eigenen Aufschlag ein 0:40 ab. Ein hervorragend erarbeiteter Satzgewinn.

Der Südafrikaner nutzte das Momentum auch im vierten Satz. Bis zum 3:3 war alles in der Reihe, ehe er dem Maestro zum dritten Mal den Aufschlag abnehmen konnte. Es folgten zwei Zu-Null-Aufschlagspiele der beiden Akteure, dann servierte Anderson zum Satzgewinn. Beim 40:30 hatte er Satzball, zwei überragende Passierbälle später Federer plötzlich die Breakchance, drei starke Aufschläge später Anderson den Satzausgleich. Was für ein Krimi.

Der finale fünfte Durchgang wurde zu einer höchstspannenden und hochklassigen Angelegenheit. Beim Stand von 4:3 konnte sich Federer einen Breakball erspielen, diesen allerdings nicht nutzen. Bis zum 11:11 gelang keinem der Akteure ein Break, dann aber der große Jubel: Anderson holte sich das Break zum 12:11 und vollendete kurz darauf zum 13:11.

Durch den Sieg steht der Südafrikaner zum zweiten Mal nach 2017 (US Open) in einem Grand-Slam-Halbfinale. Dort geht es gegen den Gewinner der Partie Milos Raonic (CAN) gegen John Isner (USA).

Wie gut kennst du die Tennisplätze der Welt? Finde es in unserem Quiz heraus!