Wie unnötig: Im entscheidenden Gruppenspiel scheiterte Zverev an Sock, weil der Deutsche seinen Gegner zurück ins Match brachte.

An diesem Donnerstagabend bekamen wir zwei völlig verschiedene Tennisspiele in einem einzgien Match zu sehen. Während Jack Sock im ersten Satz sein vielleicht bestes Tennis aller Zeiten aufbieten konnte, gelang es ihm nicht, dieses Niveau zu halten. Im zweiten Durchgang brach der US-Amerikaner zeitweise völlig ein und machte sich darüber hinaus das Leben mit Verwarnungen selbst schwer. Auch von Alexander Zverev bekamen wir in diesem „Do or Die“-Duell eine Berg- und Talfahrt zu sehen.

Da beide Kontrahenten im Angesicht des möglichen Halbfinal-Einzugs offensichtlich mit ihren Nerven zu kämpfen hatten, mussten letztlich drei Sätze über den kommenden Gegner von Grigor Dimitrov (Sieger der Pete-Sampras-Gruppe) entscheiden. Dass Jack Sock letztlich mit 6:4, 1:6, 6:4 gewann, konnte er zunächst selbst nicht so richtig glauben. Zwar hatte er sich nach seinem Hänger im zweiten Satz zurückgekämpft, doch insgesamt konnte er sich auch bei Zverev bedanken, der ihm einige vorweihnachtliche Geschenke machte.

Der unglaubliche Lauf des Jack Sock

Was wir im ersten Satz von Jack Sock zu sehen bekamen, war nicht von dieser Welt. Der US-Boy agierte phasenweise sogar noch stärker als bei seinem kürzlichen Triumph von Paris-Bercy. Die guten Freunde lieferten sich ein attraktives Match, in dem Sock einen regelrechten Lauf erwischte. Nach seiner frühen Verwarnung (der 25-Jährige hatte einen Ball sehr früh im Match ins Publikum geschmettert) wachte er auf, wehrte zwei Breakbälle ab und machte Zverev das Leben schwer.

Als er sich dann auch noch das Break zum 4:3 holte, schöpfte Sock noch mehr Selbstvertrauen. Dennoch erspielte sich der Hamburger immer wieder Breakchancen, ließ jedoch alleine in Satz 1 insgesamt sechs Gelegenheiten verstreichen. So konnte er den Durchgang nicht gewinnen! Jack Sock behielt hingegen die Übersicht und traf die richtigen Entscheidungen, sodass das 6:4 absolut verdient war.

Sock kann das Niveau nicht halten, Zverev meldet sich zurück

Gleich zu Beginn des zweiten Satzes wurde deutlich, dass Jack Sock nicht in der Lage dazu war, sein Weltklasse-Tennis über das gesamte Match auszupacken. Mit einem Mal war sein Lauf wie weggewischt, während Sascha Zverev immer mehr an Sicherheit gewann. Endlich traf er seinen Kontrahenten da, wo es ihm weh tat: nämlich auf der Rückhand. Im Schnelldurchlauf holte sich die schwarz-rot-goldene Tennis-Hoffnung den Satz mit 6:1.

Trotz Punktabzug: Sock zieht im dritten Satz davon

Der entscheidende Satz um den Einzug ins Halbfinale begann kurios: Zverev holte sich das frühe Break zum 1:0, auf das Sock mit seinem zweiten Ausraster reagierte. Wieder beförderte der US-Amerikaner eine Filzkugel unsanft gen Hallen-Decke, was die zweite Verwarnung  und den folgerichtigen Punktabzug nach sich zog. Gefühlt musste der Weltranglistendritte nur noch den Deckel drauf machen.


Obwohl Zverev also mit einem Vorsprung in sein Aufschlagspiel gehen durfte, schaffte er es jedoch nicht, es nach Hause zu bringen. Im Gegenteil: Erneut schien Sock die Verwarnung zu beflügeln, denn ihm gelang erst das Re-Break und später ein weiteres Break zum 3:1 aus seiner Sicht. Dem Deutschen musste man zu diesem Zeitpunkt vorwerfen, dass er seinen Gegner unnötigerweise stark gemacht hatte.

Aufs und Abs auf beiden Seiten

Beim Stande von 4:1 für Sock deutete wenig auf einen Zverev-Sieg hin, doch dass er zurückkommen kann, musste in London auch schon Marin Cilic erleben. Und so kam es dann auch: Der Youngster zeigte der Welt, dass er der komplettere Spieler ist und gestaltete den Satz wieder offen. Endlich gab er dem Publikum einen Eindruck von seiner Spielintelligenz, indem er Sock konsequent auf dessen schwächere Rückhand anspielte.

Zum ungünstigsten Zeitpunkt (beim Stande von 4:5 und eigenem Aufschlag) erwischte dann aber wieder Zverev eine schlechte Phase. Ein Doppelfehler und ein weiterer vermeidbarer Fehler sorgten letztlich für den Matchgewinn zugunsten des etwas verdutzten Jack Sock. Er ist damit der erste US-amerikanische Halbfinalist bei den ATP Finals seit Andy Roddick 2007. Ohne der Hilfe seines Gegners wäre dieser Triumph jedoch nicht möglich gewesen, wenngleich Sock auf seinen bärenstarken ersten Satz und seine Comeback-Qualitäten in Schwächephasen stolz sein darf.

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