Rafael Nadal gewinnt zum zweiten Mal die China Open – auch weil sich Nick Kyrgios zum wiederholten Mal selbst im Weg steht.

Nach dem starken Auftritt von Nick Kyrgios am Samstag gegen Alexander Zverev hatte sich die Tennis-Welt auf einen spannenden Fight zwischen dem Australier und Rafael Nadal gefreut. Doch leider verstrickte sich der 22-Jährige wie so oft in seiner noch jungen Karriere in Diskussionen mit dem Stuhl-Schiedsrichter (im Finale Mohamed Lahyani).

Da sich Kyrgios vom ersten Spiel an bis zum Ende des Matches nicht beruhigen konnte, spielte er dem ohnehin souveränen Weltranglistenersten zusätzlich in die Karten. Mit 6:2, 6:1 fegte Nadal seinen Kontrahenten vom Platz und holte sich seinen dritten Sieg in Peking. 2005 gewann er auf diesem Court die China Open, 2008 die Gold-Medaille bei den Olympischen Spielen.

Satz 1: Zwei Verwarnungen in einem Satz stoppen Kyrgios

Das gibt es im Tennis auch nicht alle Tage zu sehen: Bereits im ersten Spiel des Finales kassierte Nick Kyrgios seine erste Verwarnung durch Mohamed Lahyani. Was war passiert? Bei 30-40 aus Sicht des Aufschlägers Nadal machte der Australier den entscheidenden Punkt, wurde jedoch vom Linienrichter ausgebremst. Wie die Challenge bewies, war der Ball jedoch im Feld – doch statt Punkt und damit Break für Kyrgios gab es zwei Neue. Die Folge: Nadal konnte das Break noch abwenden.


Der als „Tennis-Rüpel“ bekannte Spieler konnte sich jedoch nicht beruhigen und heimste sich eine Verwarnung ein. Schon von Beginn an rückte der sportliche Aspekt mehr und mehr in den Hintergrund. Dabei hatte das zweite Spiel richtig was zu bieten. 18 Minuten brauchte der Aufschläger, um sein Spiel durchzubringen und insgesamt fünf Breakbälle von Rafa abzuwehren.

Leider verstrickte sich Kyrgios in der Folge immer wieder in Diskussionen mit dem Stuhl-Schiedsrichter. Dies tat seinem Spiel allerdings alles andere als gut. Nach dem Break zum 4:2 für den Spanier ging es für dessen Herausforderer dahin. Der Tiefpunkt: Nach dem siebten Spiel erteilte der gnadenlose Lahyani dem verdutzten Kyrgios die zweite Verwarnung – wegen Coachings. Hätte der Schwede in diesem Fall vielleicht mehr Fingerspitzengefühl zeigen müssen? Eine weitere Strafe wegen einer potenziellen Beleidigung wäre absolut berechtigt gewesen. Doch einem sichtlich angeschlagenen Spieler wegen Coachings noch mehr Salz in die Wunde zu streuen, bleibt zumindest fragwürdig.

Satz 2: Nadal gelingt alles, Kyrgios so gut wie nichts

Es war einfach nicht der Tag des Australiers: Auch in Satz 2 haderte er wiederholt mit dem Schiedsrichter, mit seinen eigenen Entscheidungen und mit der Netzkante, die es beispielsweise beim frühen Break zum 0:2 in Satz zwei nicht gut mit ihm meinte. Während es ihm nicht gelang, sich mit der nötigen Kämpfermentalität der drohenden Niederlage entgegenzustemmen, zog Rafa Nadal sein Pensum wie gewohnt souverän durch.

Der Spanier ließ sich von Kyrgios‘ Aktionen nicht aus der Ruhe bringen, fokussierte sich ganz und gar auf sein Match. Nahezu jeden Break- und Spielball seines Gegners konnte Rafa im zweiten Satz abwehren. Zwar gelang es seinem Kontrahenten noch, das 0:6 zu vermeiden, doch dies änderte natürlich nichts am deutlichen Nadal-Erfolg. Es war sein sechster Titel im Jahr 2017. Für Kyrgios war die Final-Pleite umso bitterer, weil er seine Punkte aus Tokio 2016 (einer seiner drei bisherigen Turniersiege) nicht verteidigen konnte und trotz des diesjährigen Final-Einzugs von Peking in der Weltrangliste abrutschen wird.

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