Diese Rotterdam-Woche wird Federer nie vergessen: Erst holte er sich die Nummer eins zurück, dann besiegte er im Finale Grigor Dimitrov.

Nur noch drei! Roger Federer ist seinem 100-Titel-Ziel wieder einen Schritt näher gekommen. Im Finale von Rotterdam ließ er Grigor Dimitrov nicht den Hauch einer Chance und stellte unter Beweis, dass trotz der ähnlichen Spielweise immer noch einiges zwischen den beiden Top-Spielern liegt. Die Head-to-Head-Bilanz spricht nach dem 6:2, 6:2 mit 7:0 deutlich für den Schweizer. Mit diesem klaren Triumph im Endspiel belehrte er diejenigen eines Besseren, die davon ausgegangen waren, dass „FedEx“ als sichere Nummer eins der Welt einen Gang runter schalten würde.


Davon war in diesem Finale allerdings nichts zu sehen. Obwohl sich Federer seinen Traum von der Rückkehr an die Spitze der Weltrangliste (erstmals seit fünf Jahren) bereits am Freitag gegen Robin Haase erfüllen konnte, ließ er am Sonntagnachmittag gegen Dimitrov nicht locker.

Allerdings startete der Bulgare mutig ins Match, während der Schweizer ungewöhnlich lange brauchte, bis er seinen ersten Winner einstreuen konnte. Ab dem fünften Spiel dieses Finales präsentierte sich der 36-Jährige wieder so, wie wir ihn seit Beginn dieses Jahres kennen: fokussiert, druckvoll und gedankenschnell.

25 Minuten: Dominator Federer im Eiltempo zum Satzgewinn

Das Break zum 2:3 aus Dimitrovs Sicht schien den Bulgaren aus dem Tritt gebracht zu haben. Wie aus dem Nichts hatte er seinem Gegenüber kaum etwas entgegenzusetzen. Federer marschierte geradezu durch den ersten Satz, brachte seinen Aufschlag durch und holte sich im Anschluss mit einer einhändigen Rückhand in Perfektion weitere Breakbälle. Das Doppel-Break zum 5:2 war die Vorentscheidung: Nach nur 25 Minuten machte die designierte Nummer eins der Tennis-Welt den Deckel auf den ersten Durchgang.

Eigentlich durfte man davon ausgehen, dass Dimitrov der frischere Spieler sein würde. Während Federer im Viertelfinale über drei Sätze gehen und im Halbfinale gegen Andreas Seppi einen Tiebreak über sich ergehen lassen musste, reichte dem Bulgaren am Samstag ein Satz für den Einzug ins Finale. Der Grund: Sein Gegner David Goffin hatte sich unglücklich am Auge verletzt und musste aufgeben – inzwischen wurde übrigens Entwarnung gegeben.

Auch das noch: Dimitrov mit Schmerzen in Satz zwei

Trotz des für Dimitrov sprechenden Turnierverlaufs – er musste auf dem Weg ins Endspiel keinen Satz abgeben – hatte der zehn Jahre jüngere Spieler die größeren Probleme. Und dann auch noch das: Im seinem ersten Aufschlagspiel im zweiten Satz zog sich Grigor Dimitrov bei einem Volley offenbar eine leichte Verletzung zu. Zwar konnte er weiterspielen, doch die Schmerzen waren ihm anzumerken. Insofern hatte der Schweizer ein relativ leichtes Spiel. Sein frühes Break zum 1:0 konnte Federer im Verlauf sogar ausbauen, weil ihm sein Kontrahent mit einem Doppel-Fehler das zwischenzeitliche 4:1 ermöglichte.

Letztendlich passte dieses Finale zu dieser Traum-Woche des Roger Federer, in der er Geschichte schreiben konnte. Die nun älteste Nummer eins der Tennis-Historie wurde in Rotterdam mit seinem 97. ATP-Titel belohnt. Es war sein dritter Triumph bei diesem Turnier nach 2005 (gegen Ivan Ljubicic) und 2012 (gegen Juan Martin del Potro). Sogar der niederländische König Willem-Alexander und dessen Ehefrau Máxima wollten „King Federer“ beim Siegen sehen – und wurden nicht enttäuscht, wenngleich sich nicht nur der royale Besuch ein spannenderes Finale erhofft hatte.

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