Rekordchampion USA scheitert trotz großer Aufholjagd.



Vier Stunden und sechs Minuten zittern

Noch am Freitag hatte alles darauf hingedeutet, dass Kroatien weiterhin vom zweiten Davis-Cup-Triumph nach 2005 träumen darf. Sowohl Marin Cilic als auch Borna Coric konnten ihre ersten Matches ohne Satzverlust für sich entscheiden und ihr Team damit auf die Siegerstraße bringen. Und auch nach der Niederlage des kroatischen Doppel-Duos Ivan Dodig und Mate Pavic am Samstag war man in Zadar noch bester Hoffnung.

Dass es am Ende tatsächlich zum zweiten Finaleinzug der Osteuropäer in den vergangenen drei Jahren kommen sollte, hatte man letztlich aber nur einem nervenstarken Borna Coric zu verdanken. Nachdem Marin Cilic (gegen Sam Querrey) sein Einzel überraschend verloren hatte, lag der Druck im letzten Match des Halbfinals auf dem Youngster. Dieser bezwang den ein Jahr jüngeren Frances Tiafoe in einem Fünfsatzkrimi nach vier Stunden und sechs Minuten mit 6:7, 6:1, 6:7, 6:1, 6:3.

Tiafoe wird zum Tiebreak-Monster

Bereits im ersten Satz schockte Frances Tiafoe die enthusiastischen kroatischen Fans gleich zweimal: Neben einem frühen Break zum 3:1 (das Coric im weiteren Verlauf egalisieren konnte) war es vor allem der einseitige Tiebreak, der den Zuschauern den Atem stocken ließ. Mit einem souveränen 7:0 drückte der 20-Jährige bei Coric und Co. auf die Euphoriebremse. Beeindruckend: Der Kroate ließ sich von dieser Tiebreak-Klatsche nicht unterkriegen und revanchierte sich in Satz zwei mit reichlich Wut im Bauch.

Nach dem klaren 6:1-Satzgewinn ging es im dritten Satz genauso weiter, sodass man sich um den US-Amerikaner beinahe schon Sorgen machen musste. Wieder führte Coric scheinbar ungefährdet mit 5:1. Zu diesem Zeitpunkt konnte niemand ahnen, dass dieser Satz tatsächlich noch in den Tiebreak gehen sollte. Um dem Tennis-Wahnsinn noch die Krone aufzusetzen, erlebten die Zuschauer eine fast schon epische Satzentscheidung. Erst ein Ass zum 13:11 brachte Tiafoe die erneute Satzführung ein.

Coric dreht auf, als es drauf ankommt

Unfassabar, wie der Davis-Cup-Debütant aus Maryland diesen dritten Satz gedreht hatte. Aus diesem Grund war sein Gegenüber im vierten Durchgang gewarnt, in dem er – mal wieder – mit 5:1 in Führung gehen sollte. Und stündlich grüßt das Murmeltier? Nein, nicht ganz. Diesmal ließ sich der Kroate nicht erneut überrumpeln und machte den Satzausgleich perfekt.

Das Momentum lag nun eindeutig bei Borna Coric, der die Strapazen des langen Matches dank des lautstarken Supports der Fans besser verdrängen konnte als sein Kontrahent. Mit seinem Break zum 3:2 gelang dem 21-Jährigen ein Big-Point, den er letztendlich nicht mehr aus der Hand gab. Danach brachen in Zadar alle Dämme. Im Finale (23.-25. November) bekommt es Kroatien nun mit Frankreich zu tun, das sich im Halbfinale gegen Spanien durchsetzte und nun die Chance hat, den Titel aus dem Vorjahr zu verteidigen.