Kroatien feiert seinen zweiten Davis Cup-Titel.

Nachdem Marin Cilic den Matchball verwandelte, gab es für die kroatische Mannschaft kein Halten mehr. Alles stürmten sie auf den Platz und auf den Mann zu, der mit zwei Punkten erheblich zum Gewinn des Davis Cup beigetragen hatte. Für Kroatien ist es nach 2005 erst der zweite Titel beim prestigeträchtigen Ländervergleich. Ein absolut verdienter Titel, hatten die Kroaten das ganze Wochenende vor allem im Einzel die Franzosen klar von der Platte gespielt. Zudem war es für viele auch ein wehmütiger Abend. War es doch der letzte Davis Cup nach altem Format. Etwas, das nach dem Finale vor allem die französischen Spieler beschäftigte.

Revanche für das Finale der Fußballweltmeisterschaft

Die kroatischen Spieler waren natürlich (und absolut verdient) primär mit Feiern beschäftigt. Ist der Titel doch auch eine kleine Revanche für das Finale der Fußballweltmeisterschaft in diesem Jahr. Da hatte noch Frankreich die Nase vorn gehabt. Nun also Kroatien, die ihren Sieg ausgiebig genossen. „Man wird nicht jeden Tag Weltmeister“, sagte Marin Cilic nach seinem Match gegen Lucas Pouille. „Für uns ist ein Traum war geworden. Für unsere Nation. Wir sind sehr leidenschaftlich. Sie können es an den Fans sehen. Sie haben Spaß und ich denke, dass es auch in Kroatien als etwas tolles empfunden wird“. Es stimmte, was die Stimmung angeht, brauchte sich dieses Davis Cup-Finale nicht zu verstecken. Sowohl die französischen Heimfans als auch die mitgereisten Kroaten sorgten für eine atemberaubende Kulisse.

Letzter Davis Cup im alten Format

Eine Kulisse, die es so im nächsten Jahr nicht mehr geben wird. Hat doch die ITF in diesem Jahr beschlossen, das Nationenturnier grundlegend zu reformieren. Kernstück der Veränderung ist ein Turnier am Jahresende, das nun darüber entscheiden wird, wer sich Davis Cup-Sieger nennen darf. Vorbei sind die durchgängigen Heim- und Auswärtsspiele, die nun nur noch für die Qualifikationsrunden genutzt werden. Somit ist es auch vorbei für eine Kulisse wie heute. Eine Entscheidung, die eine ziemliche Kontroverse ausgelöst hat und dafür sorgte, dass außer den französischen Fans auch noch so manch anderer in einer wehmütigen Stimmung war.


Wehmütig waren auch die französischen Spieler. Nicht nur wegen des verlorenen Finals sondern auch, wegen der Reform. Haben sie sich doch ganz besonders entschieden gegen diese Umstellung des Davis Cup gewehrt. So bekräftigte Lucas Pouille noch einmal, dass aufgrund der Reform nicht mehr Davis Cup spielen werde. Auch Pierre-Hugues Herbert zeigte seine Antipathie zum neuen Format deutlich: „Ich hoffe, es funktioniert nicht und die ITF revidiert die Entscheidung wieder“.

Faire Verlierer

Doch trotz all der Kritik an den Änderungen im nächsten Jahr, wollten die Franzosen eines nicht sein: schlechte Verlierer. Die französische Tennisföderation FFT postete kurz nach der Niederlage auf Twitter eine Gratulation an die Kroaten: „Bravo an die Mannschaft aus Kroatien, die den Davis Cup 2018 gewinnt und danke an die Blauen“ hieß es da. Zudem kam die gesamte französische Equipe in die Kabine der Kroaten und gratulierte den Siegern herzlich.

Es wirkte so, als wollten sie den Kroaten die Freude an ihrem Sieg nicht mit Gedanken an 2019 trüben. Denn die nun amtierenden Sieger werden sich auch irgendwann mit den Änderungen auseinandersetzen müssen. Doch noch nicht heute. Heute zählt für die Kroaten nur eines, den Sieg zu genießen. Das haben sie sich verdient.