Titelverteidiger erneut auf Finalkurs.



Rafa fehlt Spanien an allen Ecken und Enden

Als Rafael Nadal im Halbfinale der US Open gegen Juan Martin del Potro verletzungsbedingt aufgeben musste, schwanden bei den spanischen Tennisfans auch die Hoffnungen auf den ersten Finaleinzug seit 2012. Nach dem ersten Tag in Lille bleibt festzuhalten, dass der große Traum nun auch von den Ergebnissen her in weite Ferne gerückt ist. Weder Pablo Carreño Busta noch Roberto Bautista Agut konnten ihre Matches gegen Benoit Paire beziehungsweise Lucas Pouille gewinnen – Titelverteidiger Frankreich geht somit mit einer 2:0-Führung ins Doppel am Samstag.

Im Auftaktmatch dieses Halbfinals zeigte Paire eine eindrucksvolle One-Man-Show, nachdem die Zuschauer in Satz eins zunächst einen relativ ausgeglichenen Satz zu sehen bekommen hatten. Doch nach dem 7:5 wurde Carreño Busta von seinem Gegner praktisch überrollt. Der Franzose konnte 16 der letzten 17 Spiele in diesem letztlich ungleichen Duell für sich entscheiden und siegte deutlich mit 7:5, 6:1, 6:0.

Das Heimrecht schien sich für die Franzosen auszuzahlen. Anstatt sich mit den spanischen Sandplatzgöttern messen zu müssen, konnte der Titelverteidiger auf dem Hartplatz von Lille seine eigenen Stärken ausspielen.

Comeback-Qualitäten von Pouille gefragt

Letzteres fiel Lucas Pouille allerdings bei weitem nicht so leicht wie seinem Teamkollegen zuvor. Nach einem packenden Fünfsatzkrimi entschied er sein Einzel gegen den erfahrenen Roberto Bautista Agut am Ende mit 3:6, 7:6, 6:4, 2:6, 6:4 für sich.

Von Beginn an kristallisierte sich ein Match heraus, in dem es immer wieder auf die Comeback-Qualitäten des 24-Jährigen ankommen sollte. Bereits nach dem ersten Satz stand er vor den Augen seiner Landsleute unter Zugzwang, da Bautista Agut den besseren Start erwischt hatte. Doch Pouille schlug zurück, behielt im zweiten Satz im Tiebreak die Nerven und konnte im dritten Durchgang einen 0:3-Rückstand in einen Satzgewinn ummünzen.

Schiedsrichterin überstimmt beim Matchball

Wer dachte, dass die 2:0-Führung für den zehnmaligen Davis Cup-Champion nun zum Kinderspiel werden würde, sah sich getäuscht – und hatte die Rechnung ohne den kämpferisch starken Spanier gemacht. Bautista Agut tat die kurze Toilettenpause auf jeden Fall besser als Pouille, der auf einmal ähnlich fehlerhaft agierte wie zum Auftakt. Im entscheidenden Satz wurden die Tennisfans dann mit einem Duell auf Augenhöhe belohnt.

Im neunten Spiel beim Stande von 4:4 holte sich dann der Spieler mit dem noch größeren Willen das Break: Lucas Pouille. Unter den frenetischen Anfeuerungsrufen der französischen Anhänger ließ er sich den Sieg danach nicht mehr nehmen. Kurios: Die Schiedsrichterin überstimmte beim Matchball die Linienrichterin, die den Ball des Spaniers gut gesehen hatte. Die Challenge bewies, dass die Filzkugel tatsächlich im Aus gelandet war. Game, Set and Match Pouille!