Nach 30 gewonnenen Sätzen in Folge musste sich der „Djoker“ diesmal zurückkämpfen.

Die Bilanz von 2:15 im Head-to-Head gegen Novak Djokovic ließ für Marin Cilic nichts Gutes erahnen – und dennoch machte er sich Hoffnungen auf den Einzug ins Halbfinale von Paris-Bercy. Das mag auch daran gelegen haben, dass der Kroate den Serben an selber Stelle bereits vor zwei Jahren die Show stahl und das Viertelfinale für sich entschied.

Den ersten Satz gewann Cilic 2016 übrigens mit 6:4 – so wie diesmal. Tatsächlich gelang es dem 30-Jährigen, am Freitagabend die unglaubliche Satz-Serie seines ein Jahr älteren Kontrahenten zu beenden. Zuvor hatte dieser 30 Sätze in Folge für sich entscheiden können und damit einen neuen persönlichen Rekord aufgestellt. In der 2. Runde der US Open gegen Tennys Sandgren gab die neue Nummer eins der Welt (ab Montag) zuletzt einen Durchgang ab, lassen wir die Niederlage beim Laver Cup gegen Kevin Anderson einmal außen vor.

Djokovic steckt nicht auf

Cilic‘ Satzgewinn kam nicht von ungefähr. Vor allem mit seiner Vorhand wusste er zu überzeugen, und Djokovic ließ in drei aufeinanderfolgenden Aufschlagspielen Breakbälle gegen sich zu. Letztendlich war es also einer zu viel, im neunten Spiel sicherte sich Cilic das vorentscheidende 5:4.

Den zweiten Satz ging der Djoker, der in der Runde zuvor von der verletzungsbedingten Aufgabe Damir Dzumhurs profitiert hatte, dann konzentrierter an. Allerdings merkte man seinem Spiel an, dass er Rückstände nicht mehr gewohnt war. Erst den siebten Breakball konnte der Serbe verwerten. Von da an diktierte er das Geschehen und schaffte mit einem 6:2 den Satzausgleich.

Eigene Box angebrüllt, Schläger zerhackt und dennoch gewonnen

Die Entscheidung fiel also im dritten Satz, der für den „Djoker“ mit einem kleinen Schock begann. Wie aus dem Nichts holte sich Cilic ein Break zum 2:1. Die Folge: Sein Gegenüber zerhackte seinen Schläger. Bereits im zweiten Satz war er aufgrund eines Wutausbruchs in Richtung seiner Box (Djokovic vermisste seine Brausetabletten) aufgefallen.

Das alles warf den viermaligen Sieger des Masters in der französischen Hauptstadt jedoch nicht zurück. Im Gegenteil: Djokovic brauchte nur circa sieben Minuten, um den 1:2-Rückstand in eine 3:2-Führung zu verwandeln.

Im Anschluss erlebten beide Spieler im vielleicht besten Match der Turnierwoche ein Wechselbad der Gefühle – mit dem besseren Ende für den „Djoker“. Im achten Spiel verlor Cilic seine Linie und ermöglichte seinem Gegner mit dem Aufschlagverlust zum 3:5 die Chance, ausservieren zu können. Dieser ließ es sich nicht nehmen und zog mit 4:6, 6:2, 6:3 zum siebten Mal in diesem Jahr in ein Halbfinale ein.