Zwei deutsche Damen in einem Grand Slam-Halbfinale gab es lange nicht mehr.



Um genau zu sein, seit 25 Jahren nicht mehr. Das letzte Mal gab es das bei den French Open 1993. Damals waren es Steffi Graf und Anke Huber. Nun ist es also Wimbledon und nun sind es Julia Görges und Angelique Kerber. Hier brechen sie sogar eine 87 Jahre andauernde Durststrecke von zwei deutschen Halbfinalistinnen. Kerber hatte so mancher dort vermutet. Bei Görges sah das, trotz guter Leistung in den letzten Monaten, schon anders aus. Umso süßer ist auch für die 29-Jährige selbst der Erfolg auf ihrem bisher schwächsten Belag.

 

Die richtige Einstellung zum Untergrund

„Es ist schon ein wenig süßer, hier ins Halbfinale zu kommen“, bestätige Julia Görges nach ihrem Match in der Pressekonferenz. Die Nummer 13 der Setzliste steht zum ersten Mal unter den letzten Vier bei einem Grand Slam. Das es ausgerechnet in Wimbledon sein würde, wo sie in den letzten fünf Jahren jedes Mal in der ersten Runde rausflog, ist etwas besonderes. Woher kommt der plötzliche Erfolg?

 


„Ich habe meine Einstellung zu Rasen verändert“, beschreibt die 29-Jährige ihre Wandlung. „Ich habe gelernt bestimmte Bälle und Umstände zu akzeptieren“. Als natürlicher Untergrund hat Gras eben so seine Tücken. Daran muss man die Struktur der eigenen Punkte anpassen. Das kann „Jule“ jetzt. Nicht ganz unschuldig daran ist natürlich ihr Team und die phasenweise Zusammenarbeit mit David Prinosil, der ihr einiges zum Thema Rasentennis erklären konnte.

Hohes Level bei Kerber

Eine, die auch immer wieder von Akzeptanz spricht, ist die andere Deutsche im Wimbledon-Halbfinale. Angelique Kerber beschreibt die Akzeptanz als einen der Schlüssel zu ihrem Sieg über Daria Kasatkina. In manchen Spielsituationen habe sie einfach „akzeptieren müssen, wie gut sie spielt“. Und mehr als gut haben beide gespielt. Bei den Damen dürfte dieses Viertelfinale sicherlich eines der Matches des Turniers gewesen sein.

Das weiß auch Kerber selber. „Das ganze Match war sehr gut. Wir haben beide auf einem sehr hohen Level gespielt“, hatte die gebürtige Kielerin in ihrer Pressekonferenz selbstbewusst und zurecht eingeordnet. Anders als Julia Görges liebt die ehemalige Nummer 1 der Welt den Rasen. Passt er auch gut zu ihrer Fähigkeit tief in die Knie zu gehen, den eigenen Schwerpunkt unten zu halten und kompakt zu bleiben. Das wird die Deutsche auch in ihrem Match gegen Jelena Ostapenko brauchen.

 

Williams und Ostapenko warten

Noch nie hat Angelique Kerber gegen die junge Lettin gespielt. Es wird ganz anders werden als gegen Daria Kasatkina. Während die Russin alles von überall spielen kann, ist die Taktik von Ostapenko eine fast schon brutale Offensive. Jeder Ball wird mit einem Maximum an Kraft angegangen. Nicht zwingend ein Nachteil für Kerber, die es mag, wenn man ihr mit Tempo begegnet. „Ich weiß, was ich zu erwarten habe.“, bestätigte sie.

Auch Julia Görges weiß, was sie zu erwarten hat. Sie muss gegen Serena Williams ran. Das Match gab es kürzlich schon mal, bei den French Open. Da unterlag Görges klar gegen die 23-fache Grand Slam-Siegerin. Trotzdem zeigt sie sich nicht im mindesten eingeschüchtert. Für „Jule“ gilt: neues Spiel, neues Glück. „Es ist ein Match wie jedes andere auch. Man versucht eine Runde weiterzukommen“. Ein rein deutsches Finale, das wäre schon was, aber für Görges ist auch der Moment jetzt schon mal nicht schlecht. Wie es denn sei, zwei deutsche Damen im Halbfinale zu haben, wurde sie gefragt. „Das klingt ziemlich cool“, fasst sie zusammen, was wohl die ganz Tennis-Deutschland mal so unterschreiben würde.

 

 

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