Julia Goerges hat gestern die Spielerin der Stunde Kristina Mladenovic in Rom geschlagen – und wir haben uns mit ihr unterhalten.

Eine entspannte Julia Goerges setzte sich gestern auf die Coach in der kleinen Sitzecke in dem schmalen Gang, der durch das Medienzentrum um den Campo Centrale herumführt.

Das Erstrundenlos der Deutschen war definitiv nicht leicht, mit Kristina Mladenovic hat Goerges eine der Spielerinnen auf der anderen Seite des Netzes gehabt, die in den den letzten Wochen so viele Matches gewonnen hat wie kaum eine andere. Dementsprechend glücklich war die 28-Jährige auch über ihren Auftaktsieg in Rom. Im ersten Satz lag Goerges noch mit Break zurück, konnte dann aber den Durchgang drehen und nutzte nach gewonnenem Tie-Break im darauffolgenden zweiten Satz ihren zweiten Matchball zum 7:6 7:5 Endstand.

Wir haben uns ganz locker mit Goerges am gestrigen Abend über die Sandplatzsaison und ihre Saison 2017 unterhalten:

IO: Wie gut tut es, hier den Erstrundensieg einzufahren, nachdem die beiden Turnier in Prag und Madrid vielleicht nicht nach Vorstellung verliefen?

Goerges: Es war natürlich wichtig, dass man einen Sieg verbuchen konnte – speziell gegen eine Gegnerin, die zur Zeit sehr gut in Form ist. Ich glaube, es ist nicht so wichtig für mich, die Turniere in Prag und Madrid zu beurteilen. Man braucht immer ein paar Tage, bis man auf dem richtigen Sand draußen angekommen ist. Madrid ist einfach auf so einer Höhe, wo bei mir mit meinem heavy Game nicht so viel ging in den letzten Jahren. Da brauche ich immer ein paar Tage, bis ich dann wirklich merke, wie es draußen eigentlich geht. Da bin ich froh, dass ich das hier jetzt ändern konnte. Man weiß, dass hier jede Runde sehr schwer ist, aber ich wusste auch, dass ich gute Chancen habe und, dass meine Saison bisher sehr positiv war. Deswegen sollte man sich auch nicht von zwei Niederlagen irgendwie runterziehen lassen, sondern weiter arbeiten. Man kann nicht erwarten, dass man jedes Match gewinnt und man kann nur sein Bestes geben und das haben ich heute getan und das habe ich die anderen Wochen getan und natürlich ist man dann glücklicher, wenn man gewonnen hat.

Nach dem Fed Cup hattest du gesagt, dass du ein paar Tages brauchen würdest, bis du das Wochenende emotional verdaust – wie ist es dir dabei ergangen, vor allem da auch noch das Turnier von Stuttgart parallel dazu lief? Wie komisch war das?

Komisch war es nicht, also ich habe das eher so auf meine Art verarbeitet. Ich habe eine Woche zu Hause gehabt, was auch einmal schön ist. Die hat man dann einmal geschenkt bekommen – und da sagt man dann „Hey – die kann man auch produktiv nutzen“. Ich hab erstmal ein paar Tage regeneriert und geistig regeneriert. Es war schon so, dass ich ein paar Tage gebraucht habe, um das Ganze zu verarbeiten, aber auch, um meinen Energielevel wieder nach oben zu fahren. Das war für mich wichtig. Das waren natürlich andere Matches danach. Man muss sich wieder auf das konzentrieren, was man sonst gemacht hat. Das ist mir nicht ganz so einfach gefallen die Tage danach, muss ich ganz ehrlich sagen. Aber ich habe ein tolles Team, was mit mir super zusammenarbeitet und da findet man immer einen Weg, da wieder heraus zu kommen. Und das sind Momente, für die man spielt, die ich dort erleben durfte. Ja und da muss man dann einen Weg finden, sich wieder dann auf seine Einzelkarriere zu konzentrieren.


Du hast jetzt mit Prag, Madrid, Rom, Nürnberg und Paris ein recht volles Programm. Wie gehst du da mit deinem Energiehaushalt um?

Ich reise ja mit einem Physio momentan, das ist definitiv ein Vorteil. Ich glaube, mein Körper ist in einer sehr guten Verfassung und ich bin noch nicht so alt, ich denke, ich kann noch ein paar Jährchen spielen. [Lacht]

Von daher ist es für mich wichtig, dass ich genug Matches habe, um in Roland Garros gut präpariert anzukommen. Da ich nicht mehr so viel Doppel spiele, ist es für mich wichtig, dass ich natürlich im Einzel da konstant weiterhin gut spiele, natürlich auch meine Doppelmatches weiterhin gut spiele, aber das hat zweite Priorität. Deswegen habe ich alles gemeldet. Und Nürnberg für mich deutsches Pflaster um die Ecke von mir zu Hause. Das ist etwas Besonderes, also stand das sofort auf meinem Zettel.

Wie sehr ähneln sich die ganz Plätze in der Sandplatzsaison eigentlich? In Madrid ist die Höhe, hier ist es vielleicht etwas „schwerer“ von den Bedingungen und wie ähnlich ist dann Nürnberg zu Paris?

Wenn ich ehrlich bin, finde ich, dass hier die Plätze ziemlich ähnlich zu Paris sind, weil sie einfach ziemlich hart sind und wenig Sand drauf ist, muss man ganz ehrlich sagen.

In Nürnberg ist das eher das so typisch europäische Sandplatz-Tennis, was man so in normalen Tennisclubs hat, wo man so wirklich auch keinen harten Untergrund hat. Da springt der Ball dann doch ein wenig anders. Das ähnlichste vom Spielen her ist, denke ich, hier. Gut, es sind andere Bälle im Vergleich zu Paris. Das kann auch noch einmal einen Unterschied machen. Von den Bedingungen würde ich fast sagen, dass das hier sehr, sehr ähnlich ist zu Paris.

Hast du dir irgendwelche festen Ziele für die French Open gesteckt? Soll es beispielsweise die zweite Woche sein?

Ich glaube, dass es immer ein gutes Ziel ist, zweite Woche bei einem Grand Slam zu spielen. Das ist immer etwas Besonderes, was nicht immer so an der Tagesordnung steht, auch wenn es schön wäre, wenn es das würde. Das ist ja doch schon, was man immer als Ziel haben sollte, als nichtgesetzte Spielerin ist es manchmal nicht ganz so einfach, aber heutzutage macht auch eine Setzung nicht unbedingt mehr viel aus, was man gesehen hat an den Ergebnissen.

Als nächstes wartet Jelena Jankovic – eine Gegnerin, die sehr viele Bälle zurückbringen und auf Sand unangenehm werden kann. Wie siehst du das Match?

Es ist eine ehemalige Nummer 1 der Welt. Es wird wieder ein schweres Match. Aber ich kann nur draufgehen, mein Spiel spielen und mein Bestes geben. Dann schauen wir, wie abgerechnet wird am Ende des Tages. Ich bin da recht zuversichtlich. Wenn man sein Bestes gibt, dann kann man danach sagen: „Hey, du hast alles gegeben und derjenige war besser oder du warst besser.“ Dann kann man auch besser daran arbeiten, indem man sagen kann „Hey, du hast alles gegeben, aber das und das hat vielleicht gefehlt oder das und das war super, das hat dich zum Sieg gebracht.“ Mehr als das kann man nicht tun und das ist das einzige, was in deinen Händen liegt.

https://twitter.com/juliagoerges/status/864545053552906241

Was ist dein Ziel für die nächsten Wochen oder auch den Rest der Saison? Weiterhin vor allem konstant zu spielen oder dürfen auch gerne noch ein paar Ausreißer nach oben dazu kommen?

[Lacht] Nein, grundsätzlich bin ich mit meiner Saison sehr zufrieden. Es waren jetzt nicht irgendwelche Wochen dabei, wo du jetzt sagst „Wow, Totalausfall“ – ja, es war eine sehr konstante Saison. Natürlich wünscht man sich immer hier und da noch einen Ticken mehr zu spielen. Aber mit konstanter und harter Arbeit kommt das. Ich bin zufrieden. Ich glaube das war eine der konstantesten Saisons, die ich bislang gespielt habe. Deswegen bin ich absolut zufrieden mit meiner Entwicklung. Und da versuche ich weiter daran zu arbeiten und positiv zu sein.

Julia Goerges trifft heute im zweiten Match des Tages auf Court 2 in Rom auf Jelena Jankovic aus Serbien – nicht vor 13 Uhr.

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