Maria Sharapova ist die große Attraktion der Damentour. tennis MAGAZIN traf die Russin zum Interview und sprach mit ihr über ihr Vermögen, ihre Rivalinnen, sportliche Ziele, einen möglichen Abschied vom Profitennis und Dinge, die sie gar nicht beherrscht.

tennislogo_ausPDFDieser Artikel wurde von tennisMAGAZIN veröffentlicht und von der Redaktion übernommen.

 

Ein Interview mit Maria Sharapova? „Die Chancen stehen schlecht“, sagte uns ihr Manager Max Eisenbud bei unserem letzten Versuch, mit der Multi-Millionen-Dollar-Frau zu sprechen. Umso erfreuter waren wir, dass es dann doch geklappt hat. Eine Begegnung in Stuttgart mit der Dame, die in Highheels fast zwei Meter misst. Vor dem Gespräch hat sie noch einen Termin in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle, wo sie –ganz Business-Profi – ihre Süßigkeitenmarke Sugarpova promotet. Dann ist sie da. Keine Spur von Diva. Ein fester Händedruck, ein freundliches Hallo. Und was für eine Stimme!

 

Maria Sharapovas Nike Australian Open Outfit 2015 – “Outfit der Stars” – Entdecke jetzt die aktuellen Outfits der Tennisprofis auf www.tennis-point.de.

Maria Sharapovas Nike Australian Open Outfit 2015 – “Outfit der Stars” – Entdecke jetzt die aktuellen Outfits der Tennisprofis auf www.tennis-point.de.

 

 

Maria, Sie sind neuerdings Mitbesitzerin der Sonnencreme-Firma Supergoop, promoten Ihre Süßigkeitenmarke Sugarpova und sind Botschafterin von Porsche. Planen Sie schon die nächste Karriere?

 

Maria Sharapova: „Ich habe immer an die Zukunft gedacht, weil man als Sportlerin nie weiß, was passieren kann. Als ich mich vor ein paar Jahren so schwer an der Schulter verletzte, dass meine Karriere auf dem Spiel stand, habe ich nachgedacht. Ich könnte leicht zu Hause herumsitzen und für den Rest meines Lebens gar nichts tun, aber ich hatte immer viele Interessen. Und: Ich habe jede Menge Energie.“

 

 

Wie schwer fällt der Spagat zwischen Tennis und Business-Karriere?

 

Maria Sharapova: „„Gar nicht schwer. Ich mache das seit vielen Jahren. Ich war die Nummer eins, ich habe Grand Slam-Turniere gewonnen und es hat sich glücklicherweise nicht viel geändert in meinemLeben. Es macht mir Spaß, neben der Schufterei auf dem Platz mit dem Kopf zu arbeiten.“

 

Maria Sharapova

Die große Attraktion der Damentour: Maria Sharapova

 

Sind Sie ein Workaholic?

 

Maria Sharapova: „„Ja, leider. Ich muss ständig etwas tun, sonst bin ich unzufrieden.“

 

 

Was empfinden Sie, wenn Sie sich jedes Jahr als bestbezahlte Athletin der Welt ganz oben auf der Forbes-Liste sehen?

 

Maria Sharapova:„Ich denke erst einmal: Niemand kennt mein Bankkonto. Also weiß auch keiner, was ich tatsächlich verdiene. Und dann denke ich: Es ist nicht entscheidend, um glücklich zu sein. Geld hilft definitiv. Es macht das Leben leichter. Ich kann mir zum Beispiel das Reisen so angenehm wie möglich gestalten. Profitennis ist ein teurer Beruf. Trainer kosten viel Geld. Ich bin sehr glücklich, dass ich einen Sport ausübe, wo man so viel verdienen kann.“

 

 

Aber Geld ist nicht alles?

 

Maria Sharapova: „„Genau. Es macht glücklich für einen kurzen Moment. Das, was wirklich zählt, sind andere Dinge: Familie, Freunde, Gesundheit, Ehrlichkeit.“

 

„Niemand kennt mein Bankkonto. Also weiß auch keiner, was ich verdiene.“

 

Können Sie sich bei Ihrem Bekanntheitsgrad frei bewegen?

 

Maria Sharapova: „„Da gibt es eigentlich keine Probleme. Klar werde ich erkannt. Die Leute fragen nachAutogrammen, wollen sich mit mir fotografieren lassen. Aber es ist nicht so, dass mich die Leute erdrücken. Ich sehe es als positive Rückmeldung. Sie würdigen meine Leistung. Es schmeichelt mir. Nur wenn ich gerade esse oder im Gespräch mit Freunden bin, nervt es manchmal.“

 

 

Sie sind top im Geschäftsleben. Sie sind eine der besten Tennisspielerinnen der Welt. Gibt es etwas, das Sie nicht beherrschen?

 

Maria Sharapova:„Tausend Sachen. Ich bin eine schlechte Köchin. Ich bin nicht besonders gut, wenn es darum geht aufzuräumen. Gut, dass ich dafür jemanden habe. Aber reden wir lieber über Dinge, die ich kann. Ich bin eine sehr gute Autofahrerin. Ich fahre vor allem sicher. Viele Männer wären wahrscheinlich frustriert, weil ich darin besser bin als sie. Vor allem: Ich kann gut einparken!“

 

 

Sie sagten neulich, dass es Ihr Ziel sei, die Goldmedaille 2016 in Rio zu gewinnen. Warum? Für die meisten Tennisspieler sind die Olympischen Spiele nicht wichtig.

 

Maria Sharapova: „„Ich hatte eine fantastische Erfahrung in London. Davor hatte ich keine Ahnung, was mich erwartet. Ich war das erste Mal bei Olympia.Es war ein unglaubliches Gefühl, ganz Russland hinter mir zu spüren. Ich freue mich riesig auf Rio.“

 

 

Aber im Tennis sind Grand Slam-Turniere

 

Maria Sharapova: „„Sie haben mehr Tradition. Aber für mich steht Olympia mit den Majors auf einer Stufe.“

 

Maria Sharapova

Multi-Millionen-Dollar-Frau: Maria Sharapova

 

Könnten Sie sich vorstellen, nach Rio 2016 Ihre Karriere zu beenden?

 

Maria Sharapova: „„Man weiß nie, was passiert. Ich hatte letztes Jahr eine fantastische erste Saisonhälfte. Aber dann kam die Sandplatzsaison. Die vielen Matches und schwierigen Wetterbedingungen taten meiner Schulter nicht gut. Plötzlich konnte ich vier, fünf Monate nicht spielen. Im Tennis kann man nie weit im Voraus planen.“

 

 

Wie wichtig ist Ihnen die Weltrangliste?

 

Maria Sharapova: „„Sie hat mich noch nie interessiert.“

 

 

Sie scherzen.

 

Maria Sharapova: „„Nein. Ich habe nie viele Turniere in einer Saison gespielt. Wer sich fürs Ranking interessiert, der spielt permanent und sammelt Punkte. Das war nie meine Philosophie. Ich wollte immer die großen Turniere gewinnen. Dann kommt ein guter Ranglistenplatz von alleine.“

 

„Die Weltrangliste hat mich nie interessiert –  Was zählt, sind Grand Slams.“

 

Serena Williams ist das Maß aller Dinge im Damentennis. Sie lieferten sich in der Vergangenheit viele Duelle. Aber es ist zehn Jahre her, dass Sie gegen sie gewonnen haben. Warum können Sie sie nicht mehr schlagen?

 

Maria Sharapova: „„Sie hat die Latte sehr hoch gelegt. Nicht nur für mich, für alle Spielerinnen. Man spielt gegen sie und merkt, was man tun muss, um sich weiterzuentwickeln. Insofern ist sie ein Ansporn. Ich habe in den letzten Jahren sehr enge Matches gegen sie gespielt. Am Ende fehlten oft nur ein paar Prozent. Das hat den Unterschied ausgemacht.“

 

 

Wie würden Sie Ihre Beziehung zu Serena Williams beschreiben?

 

Maria Sharapova: „„Wir haben großen Respekt voreinander. Wir können gegenseitig gut nachvollziehen, wie viel Arbeit nötig ist, um an der Spitze zu stehen. Ich bewundere sie für das, was sie geleistet hat.“

 

NETTES SPIELZEUG: Als Markenbotschafterin macht Maria Sharapova Reklame für Porsche auf der ganzen Welt – hier in Miami.

NETTES SPIELZEUG: Als Markenbotschafterin macht Maria Sharapova Reklame für Porsche auf der ganzen Welt – hier in Miami.

 

Man hatte den Eindruck, sie verstehen sich nicht. Es gab im letzen Jahr diesen Streit. Serena beleidigte Ihren Freund Grigor Dimitrov, sagte, er habe ein schwarzes Herz. Darauf kritisierten Sie Serenas Beziehung zu Patrick Mouratoglou, „einem verheirateten Mann, der in Scheidung lebt und zwei Kinder hat“.

 

Maria Sharapova:„Das ist schon eine Weile her. Wir haben uns ausgesprochen. Es gibt keine Probleme zwischen mir und Serena.“

 

 

Sie duellierten sich 18-mal mit ihr, gewannen nur zweimal. Ist sie Ihre größte Rivalin?

 

Maria Sharapova: „„Ich weiß es nicht. Als ich meine Profikarriere begann, spielte Monica Seles noch. Dann kamen Kim Clijsters und Justine Henin. Jetzt wächst eine neue Generation heran. Ich bin gegen viele Gegnerinnen angetreten, die nicht mehr dabei sind und ich spiele immer noch. Die Rivalität mit Serena ist sicherlich groß, aber mein Duell mit Henin war es auch (Bilanz 3:7; Anm. d. Red.). Anfangs hatte ich kaum Chancen gegen sie, aber dann wurde ich besser und konnte sie in Drei-Stunden-Matches herausfordern.“

 

 

Letztes Jahr verpflichteten Sie Jimmy Connors als Coach. Sie traten nur bei einem Turnier gemeinsam an. Was lief schief?

 

Maria Sharapova: „„Damals machte mir meine Schulterverletzung zu schaffen. Es war klar, dass ich wahrscheinlich ein paar Monate ausfallen würde. Ich fuhr von Arzt zu Arzt. Ich war völlig frustriert – beruflich und privat. Wahrscheinlich hätte kein Coach in dieser Phase überlebt. Es war schlechtes Timing. Ich hatte früher schon einmal mit ihm gearbeitet, zwar nicht auf der Tour, aber in den USA. Ich habe seine Arbeit immer bewundert. Jimmy hat mir auch immer die richtigen Tipps gegeben.“

 

 

Warum hatten Sie sich zuvor von Ihrem Trainer Thomas Högstedt getrennt? Sie waren sehr erfolgreich.

 

Maria Sharapova: „„Er war damals genau zum richtigen Zeitpunkt da. Es hat etwas gedauert, bis wir zusammenpassten, aber dann lief es super. Er hat als Trainer das Beste aus mir herausgeholt und ich aus ihm. Doch dann wollte er weniger reisen, mehr Zeit mit seiner Familie verbringen. Aber das ist auf meinem Level unmöglich. Es gibt keine Kompromisse. Also haben wir uns getrennt.“

 

SELTENE GELEGENHEIT: Exklusivinterviews mit Maria Sharapova gibt es kaum – tennis MAGAZIN-Vize Andrej Antic hatte Glück.

SELTENE GELEGENHEIT: Exklusivinterviews mit Maria Sharapova gibt es kaum – tennis MAGAZIN-Vize Andrej Antic hatte Glück.

 

Sie haben mit Dieter Kindlmann einen deutschen Hittingpartner. Was zeichnet ihn aus?

 

Maria Sharapova: „„Er ist ein echter Teamspieler. Wenn man eine Gruppe von Menschen um sich versammelt, ist der Charakter jedes Einzelnen wichtig. Man verbringt so viele Tage im Jahr miteinander. Also müssen alle zusammenpassen, was nicht einfach ist. Ich bin froh, dass ich mich mit allen im Team so gut verstehe. Ich profitiere auch enorm davon, dass Trainer, Hittingpartner, Physiotherapeut und Fitnesscoach untereinander so gut miteinander auskommen. Dieter arbeitet extrem hart mit mir. Er ist am Boden, wenn ich verliere und er jubelt, wenn ich siege. Er nimmt seinen Job extrem ernst, wofür ich ihm dankbar bin.“

 

 

Sie sind seit 13 Jahren auf der Tour. Wie fühlt sich Ihr Körper an?

Maria Sharapova: „„Er ist noch nicht auseinandergefallen (lacht). Ich fühle mich ziemlich gut – abgesehen von den Schulterverletzungen, die ich hatte. Klar ist, dass Physiotherapeuten in dieser Phase meiner Karriere sehr wichtig sind. Erholungsphasen gewinnen immer mehr an Bedeutung. Zu Beginn des Jahres schwächelte meine Schulter bei langen Matches, aber sie wird immer belastbarer. Ich hoffe, dass mein Körper noch ein paar Jahre hält.“

 

 Zahlen & Fakten

Als 17-Jährige gewann sie Wimbledon. Es folgte eine einmalige Karriere auf und neben dem Platz. 2005 war sie erstmals die Nummer eins (insg. 21 Wochen). Neben Wimbledon (2004) gewann sie auch die anderen Grand Slam-Turniere jeweils einmal – New York 2006, Melbourne 2008, Paris 2012. Ihr Karriere-Preisgeld: 27.246.661 $. Laut „Forbes“ ist sie seit zehn Jahren mit rund 30 Millionen Dollar jährlich die bestverdienende Athletin der Welt. Sharapova wirbt für Nike, Head, Cole Haan, Evian, Tiffany, Tag Heuer, Samsung, Porsche, Supergoop und Sugarpova.

 

(Text : Andrej Antic ; tennisMAGAZIN Ausgabe 06.2014)

Die aktuelle Ausgabe des tennisMAGAZINs gibt es hier: http://stores.jahr-tsv.de/tennis/category/einzelhefte.html