Zum letzten Mal sind die Gesetzten zwei Runden lang geschützt und treffen frühestens in Runde 3 aufeinander. Spannende Duelle gibt es trotzdem auch vorher.

Die ITF möchte gerne in Zukunft die ersten Runden bei Grand-Slam-Turnieren spannender gestalten und die Top-Spieler ein bisschen weniger schützen. Deswegen gibt es demnächst auch bei den größten Turnieren nur noch 16 gesetzte Spieler und Spielerinnen. Doch obwohl bei den Australian Open nun letztmalig direkte Duelle zwischen den 32 besten Profis erst ab Runde 3 möglich sind, gibt es auch schon in den ersten beiden Runden des 2018er-Turniers das Potential für aufregende und brisante Duelle. Hier eine kleine Auswahl.

Erste Runde der Herren

Tomas Berdych gegen Alex de Minaur: Der Routinier gegen den australischen Aufsteiger

Zumindest Berdych selber glaubt immer noch an seinen großen Traum, irgendwann doch noch einmal bei einem der vier großen Turniere den Pokal in die Höhe stemmen zu dürfen. Er rechnet sich Chancen aus, sobald Nadal und Federer nicht zu ihrer Topform finden. Bevor er sich mit denen beschäftigen kann, sollte er aber mit höchster Konzentration in seine erste Runde gehen.  Da wartet nämlich der junge Australier alex de Minaur, der 2018 seine erste komplette Saison auf ATP-Level spielen wird. Zum Auftakt legte er in der Heimat einen echten Kickstart hin: In Brisbane Siege gegen Steve Johnson und Milos Raonic und eine Halbfinalteilnahme. Und in dieser Woche in Sydney schon wieder mindestens das Halbfinale, nachdem er im Veirtelfinale Feliciano Lopez in zwei Sätzen ausgeschaltet hat und in der ersten Runde Fernando Verdasco keine Chance ließ. Obacht, Tomas!

Roberto Bautista Agut gegen Fernando Verdasco: Die spanischen Gegensätze
Wenn man es nicht gut mit mit Bautista Agut meint, könnte man ihn als Langeweiler bezeichnen. Netter wäre es, seine äußerst solide Spielweise zu loben, seine hohe Konzentrationsfähigkeit und sein Vermögen, fast immer große Teile seines Potentials abrufen zu können. Verdasco ist da ganz das Gegenteil. Traumschläge wechseln sich mit haarsträubenden Fehlern ab, die Nerven spielen ihm öfter mal einen Streich. Aber nicht nur Rafa Nadal weiß, wozu Verdasco gerade an einem guten Tag in Melbourne in der Lage ist.

David Ferrer gegen Andrey Rublev: Härtetest für den Russen

Es fühlt sich seltsam an, dass Rublev in diesem Duell der gesetzte Spieler ist. Aber David Ferrer schien 2017 lange endgültig auf dem absteigenden Ast zu sein und fiel zeitweise bis auf Rang 46 zurück. Dann gab es aber wieder Lebenszeichen vom Dauerläufer aus Valencia und 2018 startet er auch gut. Beim Turnier in Auckland steht er ohne Satzverlust im Halbfinale. Ein frischer Ferrer ist in den frühen Runden eines Turniers über drei Gewinnsätze ein ganz unangenehmer Gegner, auch für Rublev.

Zweite Runde der Herren

Novak Djokovic – Gael Monfils: Spektakel schon in Runde 2?

Wenn beide ihr erstes Match gewinnen, wartet in Runde 2 ein Match-up, dass sich viele Veranstalter auf der Welt auch als Finale wünschen würden. Djokovic und Monfils können beide auch das der Defensive heraus jeden Gegner zur Verzweiflung bringen und können – Fitness vorausgesetzt – mit einer unglaublichen Athletik auftrumpfen. Djokovic hat in 14 Begegnungen noch nie gegen den Franzosen verloren, aber es waren diverse ganz enge Kisten mit dabei. Und noch mehr ganz sehenswerte Ballwechsel.

Nick Kyrgios gegen Viktor Troicki: Der Schiedsrichter-Albtraum?

Beide Spieler sind durchaus diskussionsfreudig, wenn es auf dem Platz nicht so läuft, wie sie es sich vorstellen. Kommunikation mit den Offiziellen, der eigenen Box und den Zuschauern ist eigentlich Standard. Das kann schnell aus dem Ruder laufen und das eigene Spiel auch negativ beeinflussen. Kyrgios muss konzentriert zu Werke gehen, wenn er sich nicht wie schon öfter etwas schlampig früh die Chance verbauen will, sich beim Grand Slam mit den großen Spielern zu messen.

Jo-Wilfried Tsonga gegen Denis Shapovalov: Wer läuft heiß und wer überdreht?

Eine gehöriger Altersunterschied und eine menge Erfahrung unterscheidet den Franzosen und den Kanadier, gemein ist ihnen aber, dass sie sich von den Emotionen des Spiels zu Höchstleistungen treiben lassen. Beide wollen agieren, beide wollen mit Winnern punkten. Sollte die Partie zustande kommen, hat Shapovalov schon gehörig Selbstvertrauen durch einen Sieg gegen den ebenfalls hochtalentierten Griechen Tsitsipas gesammelt. Und mit Selbstvertrauen kann er jedem gefährlich werden.


Erste Runde der Damen

Jelena Ostapenko gegen Francesca Schiavone: Zwei Paris-Siegerinnen im Erstrunden-Duell

Schiavone hat schon mit dem Ende der Karriere geliebäugelt, jetzt ist sie doch wieder da. Natürlich ist Ostapenko die klare Favoritin, in diesem Jahr hat sie aber noch kein Match gewonnen. Und die Italienerin spielt ein anderes Tennis, als ein Großteil der anderen Damen auf der Tour. Kann sich Ostapenko nicht darauf einstellen und steigt ihre Fehlerquote und ihre Frustration, könnte es blöd enden für die Lettin.

Venus Williams gegen  Belinda Bencic: Schlägt viel Matchpraxis viel Erfahrung?

Belinda Bencic hat sich Ende 2017 bei kleineren Turnieren viel Spielpraxis und Selbstvertrauen geholt. Und beim Hopman Cup auch nur gegen die überragende Angelique Kerber verloren. Sie ist sicher eine der Spielerinnen, auf die niemand gerne in der ersten Runde treffen wollte. Jetzt hat es Venus erwischt. Die reist ohne Erfolgserlebnis an und hat den Druck, die Punkte aus dem Finale 2017 verteidigen zu müssen. Selbst für eine so erfahrene Spielerin ist das eine knifflige Situation.

Zweite Runde der Damen

Simona Halep  gegen Genie Bouchard: Gelingt Genie ein Ausrufezeichen?

Gut, vor allen Dingen die immer noch junge Kanadierin muss erst die zweite Runde erreichen (Oceane Dodin wartet in Runde 1). Sollte es aber zu dieser Partie kommen, ist es endlich wieder eine Gelegenheit für Bouchard, auch sportlich auf sich aufmerksam zu machen.  Dass sie trotz aller Pleiten immer mal wieder dazu fähig ist, hat sie im Frühjahr letzten Jahres bewiesen, als sie in Madrid hintereinander siegreich gegen Kuznetsova, Kerber und Sharapova den Platz verließ. Melbourne ist auch nicht gerade das Lieblingsturnier der Rumänin, die erste der Setzliste ist hier seit zwei Jahren ohne Sieg. Halep sollte von anfang an die Zügel in der Hand behalten, sonst könnte ihr das Match entgleiten.

Angelique Kerber gegen Donna Vekic: Das Wiedersehen mit dem Ex?

Eine pikante mögliche zweite Runde. Wohl niemand kennt Kerber und ihr Spiel so gut wie ihr jahrelanger Trainer Torben Beltz, der jetzt Vekic betreut. Die spielt unter ihm zwar noch lange nicht so erfolgreich wie Kerber in der Zusammenarbeit mit Wim Fissette, wird aber wie kaum eine zweite Spielerin mit Tipps und Tricks ausgestattet sein, wie man Kerber beikommen kann.
Dazu der psychologische Aspekt für die Deutsche, den Vertrauten Beltz plötzlich in der gegnerischen Box zu sehen. Im Fall der fälle kein normales Spiel für die Kielerin, sondern eine echte mentale Herausforderung.

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