Dieses Match hielt, was es versprach: Kyrgios zog nach einem engen und emotionalen Spiel gegen Tsonga in die nächste Runde der Australian Open ein.

Bereits vor dem Beginn dieses Matches durften die Tennis-Fans von einem Duell auf Augenhöhe ausgehen. Zudem war dank zweier charismatischer Typen mit einem großen Entertainment-Faktor zu rechnen. Bei Nick Kyrgios ist bekanntlich alles möglich. Und Jo-Wilfried Tsonga zählt zu einem der beliebtesten Spieler auf der Tour. Die Zuschauer lieben seinen berühmten Siegestanz.

Darauf konnten die australischen Fans diesmal aber gerne verzichten, da er auf den letzten verbliebenen Lokalmatadoren traf. Dieser konnte sich trotz eines emotionalen Hängers im zweiten Satz mit 7:6, 4:6, 7:6, 7:6 durchsetzen. Kyrgios avancierte in der 3. Runde der Australian Open zum Tiebreak-König, da er alle drei gewann.

Umgekehrter Verlauf in Satz eins und zwei


Der erste Satz begann mit einem souveränen Aufschlagspiel von Jo-Wilfried Tsonga. Dieses Niveau konnte er in seinem zweiten Service jedoch nicht halten – und so hatte Nick Kyrgios ein frühes Break in der Tasche. Dass dieser Durchgang letztlich im Tiebreak entschieden werden musste, hatte Tsonga einigen kleinen Unkonzentriertheit des alles in allem fokussierten Australiers zu verdanken. Genau zum richtigen Zeitpunkt war Kyrgios im Tiebreak dann aber zur Stelle. Den Satz holte er sich mit Hilfe eines Doppelfehlers seines Kontrahenten zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt.

Im zweiten Durchgang bekamen die Zuschauer einen umgekehrten Verlauf zu sehen – mit einem großen Unterschied: Tsonga konnte sein frühes Break transportieren und ausgleichen. Nach einem guten Auftakt bekamen wir Mitte des zweiten Satzes wieder das andere Gesicht des Australiers zu sehen. Er wirkte zunehmend unkonzentriert und für einen Moment hatte man den Eindruck, dass er komplett die Kontrolle verlieren könnte.

Der neue Nick Kyrgios?

Doch weit gefehlt: Im dritten Satz war er wieder bei sich. Bekommen wir bei den Australian Open etwa den neuen Nick Kyrgios zu sehen? Früher wäre ihm das Match vielleicht entglitten, doch diesmal fand er zurück. Wieder einmal konnte er beweisen, dass er an diesem Tag in den wichtigen Momenten die bessere Antwort parat hatte. Auch den zweiten Tiebreak ließ sich der 22-Jährige nicht nehmen.

Der vierte Satz begann mit einer Verwarnung für Tsonga, weil dieser sich ungewöhnlich lautstark aufgeregt hatte. Trotz mehrfacher Hinweise des Stuhl-Schiedsrichters („Du musst damit aufhören“), konnte sich der Franzose nicht beruhigen. Der Grund: Angeblich wurde er bereits zum Ende des dritten Durchgangs dauernd von einem Zuschauer gestört, der Rod Laver später dann auch verlassen musste.

Kyrgios und Tsonga zwischen Traumbällen und Slapstick-Einlagen

Im Anschluss wechselten sich fantastische Rallys mit erstaunlichen Slapstick-Einlagen ab. Von Tweenern über amüsante Wortwechsel (Kyrgios zu Tsonga: „Ich habe dir gesagt, du sollst die Challenge nehmen!“) bis hin zu unerklärlichen Punkten war alles dabei. Bestes Beispiel: Beim Stande von 3:3 unterlief Kyrgios ein verunglückter Stopp. Doch anstatt das Geschenk anzunehmen, joggte Tsonga nur gemächlich ans Netz, kam zu spät und drückte seinen Slice ins Aus.

Auffällig: Auch wenn Kyrgios bis an seine Schmerzgrenze ging und eine Super-Show lieferte, war es auf dem Centre Court von Melbourne nicht so laut, wie es beispielsweise bei Roger Federer der Fall ist. Ist dies auch der Grund, warum der Australier lieber in der Hisense Arena spielt? Zwar gelang es ihm immer wieder, das Publikum mit emotionalen Gesten auf seine Seite zu ziehen, doch etwas mehr könnten die Fans ihren Lokalmatadoren schon pushen.

„Ich dachte, es geht in den Fünften“

Das Show-Potenzial war jedenfalls beachtlich: Zum dritten Mal ging es in diesem Match in einen Tiebreak. In dieser Hinsicht hatte Tsonga einiges wiedergutzumachen, nachdem er die ersten beiden ja verloren hatte. Dementsprechend agierte er diesmal aggressiver und holte sich ein schnelles Mini-Break. Der Franzose führte scheinbar souverän mit 5:2 – und dann das: Kyrgios kämpfte sich zurück und nutzte seinen ersten Matchball zum 7:5. „Ich dachte, es geht in den Fünften“, gab der Australier im anschließenden Interview mit Jim Courier zu. Drei Tiebreaks, drei Kyrgios-Siege: Welch ein Mega-Spektakel!

Wie gut kennst du die Tennis-Plätze der Welt? Finde es in unserem Quiz heraus!