tennis MAGAZIN Interview mit Claudia Porwik: Die ehemalige Fed Cup-Spielerin betreibt eine Tennisschule in Nürnberg.

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NEUER JOB: Claudia Porwik, 45, arbeitet heute als Trainerin. Sie beendete ihre Karriere 1997 wegen häufiger Bauchmuskelverletzungen.

 

Frau Porwik, das deutsche Fed Cup-Team steht erstmals seit 22 Jahren im Endspiel. Beim ersten Titel 1987 gehörten Sie zur Mannschaft. Wie sind Ihre Erinnerungen?

 

Claudia Porwik: „Sehr gut. Ich war immer gern mit der Mannschaft unterwegs. Der Erfolg 1987 in Vancouver war spektakulär. Damals besiegten wir überraschend die USA, das Erlebnis war gigantisch. Wir hatten untereinander einen tollen Teamgeist.“

 

 

Wie war ihr Verhältnis zu Steffi Graf?

 

Claudia Porwik: „Wir haben uns gut verstanden und waren alle froh, dass es Steffi gab. In ihrem Schatten konnten wir uns schon in der Jugend in Ruhe entwickeln. Durch ihre Erfolge fanden auch wir auf den hinteren Ranglistenpositionen Sponsoren. Wir hatten ihr alle viel zu verdanken. Nur einmal war ich sauer auf Steffi…“

 

 

Warum?

 

Claudia Porwik: „1992 sollten wir zusammen bei den Olympischen Spielen im Doppel starten. Einen Tag vor der Teameinkleidung sagte sie für das Doppel ab. Ich ließ ihr über den DTB ausrichten, dass ich unbedingt bei Olympia starten wolle und wir vor Ort zurückziehen könnten. Ich hätte die Absage auch auf meine Kappe genommen, weil ich unbedingt dabei sein wollte – es war meine letzte Chance. Leider waren die Bemühungen vergebens.“

 

 

An welche Highlights Ihrer Karriere denken Sie besonders gerne?

 

Claudia Porwik: „An die Anfangszeit. Damals übernachtete ich oft in Pensionen oder bei Familien. In Mexiko wohnte ich einmal mit meiner Kollegin Silke Meier bei einer armen Familie, die ihre Kinder zu Freunden brachte, um uns ein Zimmer zu vermieten. Es gab nur Gitter, keine Fenster, wir schliefen in Jogginghosen und zum Frühstück mussten wir schwarze Bohnen essen. Teure Unterkünfte konnten wir uns damals nicht leisten. Als ich 1990 das Halbfinale in Melbourne erreichte, kassierte ich dafür umgerechnet gerade einmal 60.000 Mark.“

 

 

Verdienen Profis heute zu viel?

 

Claudia Porwik: „Ja! Ich finde auch, dass Damen nicht so viel verdienen sollten wie die Herren, die über drei Gewinnsätze viel mehr leisten müssen.“

 

 

Verfolgen Sie die Tour noch?

 

Claudia Porwik: „Klar, vor allem die deutschen Damen. Angelique Kerber hat viel aus ihren Möglichkeiten gemacht. Sabine Lisicki ist leider nicht fit genug, um oben zu bestehen. Das größte Talent hat Julia Görges – aber ihr fehlt noch die mentale Stärke. Trotzdem hat das Team gute Chancen, dieses Jahr den Fed Cup zu gewinnen.“

 

 

Was machen Sie heute sonst?

 

Claudia Porwik: „Ich führe mit meinem Mann eine Tennisschule in Nürnberg. Wir konzentrieren uns vor allem auf den Breitensport.“

 

(Text : Felix Grewe; tennisMAGAZIN Ausgabe 06.2014)

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