„Petko“ ist bekannt dafür, eine etwas andere Spielerin zu sein. Eine, mit sehr viel Tiefsinn. Und eine, die selten ein Blatt vor den Mund nimmt.

Im besten Tennisalter

Mit ihren 30 Jahren ist Andrea Petkovic derzeit vermutlich im besten Tennisalter. Gezündet hat es zuletzt nicht mehr allzu regelmäßig, deshalb ist die Deutsche aus den Top 100 gerutscht (WTA 102). Doch niemand mag es ausschließen, dass „Petko“ nicht einen weiteren Frühling feiert.

Nun hat sich die DTB-Spielerin ausführlich in der Süddeutschen Zeitung zu ihrem Leben als Tennisprofi geäußert. Eine lesenswerte Kolumne.

Andrea Petkovic über …

… sehr wahrscheinlich eintreffende Niederlagen:

Jeden Montag beginnt ein neues Turnier und fast jedes Mal endet es mit einer Niederlage. Ich bin seit 2007 Tennisprofi und habe sechs Turniertitel in der Tasche. Angelique Kerber zum Beispiel ist seit 2003 professionell auf der Tour dabei und hat elf Turniere gewonnen. Man muss kein großer Mathematiker sein, um auszurechnen, dass 90 Prozent der Wochen eines Tennisspielers oder einer Tennisspielerin ohne Sieg zu Ende gehen (okay, für Roger Federer gelten andere Gesetze, aber irgendwie scheint er aus einer anderen Welt zu kommen, deswegen zählt er nicht).

… den Durchgefallen-Stempel nach einer Niederlage:

Um meinen Gemütszustand nach einer Niederlage etwas besser nachvollziehen zu können, empfehle ich Ihnen dieses Gedankenspiel: Stellen Sie sich vor, Sie sollen einen Test schreiben, der darüber entscheidet, ob Sie Ihre nächsten Rechnungen bezahlen können. Sie sind super vorbereitet, haben wochenlang gelernt, Nachhilfe genommen und Akupunktur und Hypnose versucht. Dann kommen Sie in den Prüfungssaal und die Sonne scheint Ihnen direkt ins Auge, sodass Sie nichts sehen können; der Wind bläst Ihnen ständig die Zettel mit den Testfragen unter den Händen weg, und Ihr nervigster Mitschüler schlägt Ihnen jedes Mal auf die Finger, wenn Sie gerade dabei sind, eine Antwort niederzuschreiben. Die Verzweiflung, die während dieses glorreichen Scheiterns in Ihnen aufsteigt, beschleunigt den ganzen Prozess nur noch – und in dem Moment, in dem endlich alles vorbei ist, bekommen Sie einen fetten, roten DURCHGEFALLEN-Stempel auf die Stirn gedrückt und dürfen allen Anwesenden im Raum respektvoll die Hand schütteln.

… ihre Form von Glück:

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich liebe, was ich tue. Und mit dem Drumherum habe ich mich nach zehn Jahren auch arrangiert: Die Floskeln, die ich der Presse diktiere, sind mir nicht mehr peinlich, und wenn ich frische Handtücher im Badezimmer des anonymen Kettenhotels hängen sehe, verspüre ich inzwischen eine ganz eigene Form von Glück.

… Filme zur Ablenkung:

Filme sind meine Rettung, meine Familie und meine Freunde in der Ferne. Und deshalb werde ich in jeder Folge dieser Kolumne auf mindestens einen Film Bezug nehmen (…) Wenn Filmmenschen sterben, stirbt immer auch ein Teil von mir. Wenn Charaktere sich im Verlauf eines Films entwickeln, lerne auch ich irgendwie dazu, und am nächsten Morgen fühlt sich die pieksende Spitze der Niederlage schon ein bisschen stumpfer an. Wenn ich dann vor dem Spiegel stehe und mir den gleichen Hut aufsetze wie Maria Elena in Vicky Cristina Barcelona, ist alles schon wieder vergessen. Halbwegs.

Die Turniersiege von Andrea Petkovic

26. Juli 2009Österreich Bad GasteinWTA InternationalSandRumänien Ioana Raluca Olaru6:2, 6:3
21. Mai 2011Frankreich StraßburgWTA InternationalSandFrankreich Marion Bartoli6:4, 1:0 Aufgabe
6. April 2014Vereinigte Staaten CharlestonWTA PremierSandSlowakei Jana Čepelová7:5, 6:2
13. Juli 2014Österreich Bad GasteinWTA InternationalSandVereinigte Staaten Shelby Rogers6:3, 6:3
2. November 2014Bulgarien SofiaWTA Tournament of ChampionsHartplatzItalien Flavia Pennetta1:6, 6:4, 6:3
15. Februar 2015Belgien AntwerpenWTA PremierHartplatzSpanien Carla Suárez Navarrokampflos


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