Harter Tobak: Williams wirft Schiedsrichter Ramos Sexismus vor.



Die Chronologie der Ereignisse

Eines steht fest: Das Finale der US Open 2018 wird f√ľr alle Zeiten in den K√∂pfen bleiben und hat es geschafft, dass Tennis an diesem Wochenende weltweit die Schlagzeilen beherrscht – auch √ľber die Grenzen dieser Sportart hinaus. Das war es aber dann auch schon an „positiven“ Auswirkungen des Serena-Duells mit Schiedsrichter Carlos Ramos. Mit Sport hatte das ganze Theater ab einem bestimmten Zeitpunkt nichts zu tun. Und noch schlimmer: Der herausragende und hochverdiente Sieg der erst 20-j√§hrigen Naomi Osaka geriet zwischenzeitlich in den Hintergrund.

Das Duell Serena vs. Ramos in drei Akten

Erster Akt: Zu Beginn des zweiten Satzes wird Serena Williams wegen des vermeintlichen Coachings ihres Trainers Patrick Mouratoglou verwarnt. Die US-Amerikanerin f√ľhlt sich ungerecht behandelt und macht dem Portugiesen ihren Standpunkt klar: „Ich betr√ľge nicht, um zu gewinnen. Lieber verliere ich!“

Zweiter Akt: Die US-Amerikanerin kassiert ein Re-Break zum 3:2, zertr√ľmmert daraufhin den Schl√§ger. Die Folge: Ramos erteilt ihr die n√§chste Verwarnung, die einem Punktabzug (0:15) gleichkommt. Die Reaktion von Serena, die immer noch das Thema Coaching im Hinterkopf hat, l√§sst nicht lange auf sich warten: „Ich habe eine Tochter. Ich habe noch nie in meinem Leben betrogen! Sie schulden mir eine Entschuldigung!“

Dritter Akt: Bei der ehemaligen Nummer eins der Welt geht nicht mehr viel zusammen. Nach dem Break zum 3:4 aus ihrer Sicht findet sie in dem Schiedsrichter den Schuldigen – und √ľberspannt den Bogen mit folgender Aussage: „Du wirst nie, nie, nie mehr ein Spiel von mir leiten, solange du lebst. Du bist ein L√ľgner! Wann wirst du mir eine Entschuldigung geben? Du schuldest mir eine Entschuldigung! Sag es! Sag, dass es dir leid tut! Du hast mir einen Punkt gestohlen. Ein Dieb bist du also auch!“ Ramos hat keine andere Wahl und verh√§ngt eine Spielstrafe – es steht 3:5. Der Rest ist beaknnt.

Mourataglou gibt Coaching zu, Serena dementiert energisch

Auch nach dem Match waren die Wogen noch lange nicht gegl√§ttet. Die Siegerehrung wurde zu einer Farce, das angestachelte US-amerikanische Publikum pfiff den ersten Grand-Slam-Erfolg der 20-J√§hrigen zun√§chst in Grund und Boden – bis Serena die richtige Entscheidung traf und ihre Anh√§nger unter Tr√§nen darum bat, die Siegerin zu w√ľrdigen.

Doch auch im Anschluss daran √ľberschlugen sich die Ereignisse. W√§hrend Serena Williams weiterhin nichts von einem Coaching wissen wollte, gab ihr Trainer zu, Hinweise aus der Box gegeben zu haben. Die Finalistin der US Open konnte es kaum fassen, erkl√§rte im Rahmen der Pressekonferenz: „Ich habe gerade geh√∂rt, was Patrick gesagt hat. Ich habe ihm sofort eine Nachricht geschickt und ihn gefragt: ‚Was redest du da?‘ Wir haben keine Signale.“ Hier scheint das letzte Wort ebenfalls noch nicht gesprochen.

Sexismus-Vorwurf: Der Wahnsinn nimmt seinen Lauf

Dar√ľber hinaus machte Serena auf der PK einen weiteren Aspekt zum Gespr√§ch. Sie unterstellte Carlos Ramos Sexismus. Ihre Schlussfolgerung: „Ich habe andere M√§nner gesehen, die andere Dinge zu anderen Schiedsrichtern gesagt haben. Ich bin hier, um f√ľr Frauenrechte, Gleichberechtigung und all das zu k√§mpfen. Ich habe ihn als Dieb bezeichnet, weil er mir ein Spiel weggenommen hat, das f√ľhlt sich f√ľr mich sexistisch an. Einem Mann h√§tte er daf√ľr nie ein Spiel weggenommen.“

Unser Fazit: Emotionen sind wichtig und machen den Tennissport so lebendig. Doch hier wurde der Bogen eindeutig √ľberspannt. Man w√ľrde gut daran tun, das Finale der US Open 2018 auf das zu reduzieren, was es war: n√§mlich ein Tennismatch. Oder wie es Eurosport-Experte Boris Becker bereits w√§hrend des Spiels ausd√ľckte: „Es geht hier nicht um Mord und Totschlag, es ist einfach ’nur‘ Tennis.“ Letztlich wurde alles auf dem R√ľcken der gro√üartigen Siegerin Naomi Osaka ausgetragen, die es verdient gehabt h√§tte, f√ľr ihren gro√üen Triumph gefeiert zu werden. Die Entscheidungen des Schiedsrichters waren allesamt regelkonform, jetzt gilt es, das bestehende Regelwerk dringend zu √ľberdenken.