Rafael Nadal zeigt dem jungen Stefanos Tsitsipas lange seine Grenzen auf. Am Ende wird es aber doch noch spannend.




Rafael Nadal (ATP 1) hat sich bei seinem ersten Auftritt nach Wimbledon eindrucksvoll zurück gemeldet. Im Finale des Masters-Turniers im kanadischen Toronto dominierte er den griechischen Überraschungsfinalisten Stefanos Tsitsipas (ATP 27) lange nach Belieben und muss dann noch zittern und kämpfen. Am Ende gewinnt er mit 6:2, 7:6 den 33. Masters-Titel seiner Karriere.

Stefanos Tsitsipas, der am Finaltag seinen 20. Geburtstag feierte, hatte in seinen letzten Tagen als Teenager die Top 10 in Toronto ordentlich durchgerüttelt. Mit Dominic Thiem, Novak Djokovic, Alexander Zverev und Kevin Anderson hatte er nicht weniger als vier aktuelle Mitglieder dieses exklusiven Zirkels als Verlierer vom Platz geschickt. Ein fünfter solcher Sieg – ausgerechnet auch noch gegen den Branchenführer Nadal- stand nun zwischen ihm und dem Titel. Das wäre ein neuer Rekord für ATP-Turniere gewesen.

Tsitsipas startet furios – danach spielt nur noch Nadal

Und Tsitsipas begann in dieser Angelegenheit zunächst auch wie die Feuerwehr. Von Nervosität war beim Griechen bei den ersten Ballwechseln der Partie nichts zu spüren. Sein erstes Aufschlagspiel brachte er selbstbewusst und ohne einen Punkt abzugeben hinter sich. Anschließend zeigte dann aber die Nummer eins, dass sie gekommen war, um sich zum nach 2005, 2008 und 2013 zum vierten Mal die kanadische Masters-Krone aufzusetzen.

In seinem nächsten Aufschlagspiel sah sich Tsitsipas schon Breakbällen gegenüber, der dritte saß und Nadal brachte sich früh in diesem Satz in eine Position, in der er oft sein bestes Tennis abruft: Mit einem Vorsprung im Rücken. So war es auch heute: Der Neu-Zwanziger Tsitsipas war in dieser Phase meist nur noch der reagierende Spieler. Wollte er selbst das Heft in die Hand nehmen, unterliefen ihm vor allen Dingen auf der Vorhandseite Fehler. Nadal dagegen spulte sein Erfolgs-Programm ab: Platz mit Spin öffnen, in den sich öffnenden Raum mit der linken Klebe abschließen. Konsequenz dieser zunehmend einseitigen Angelegenheit in diesem Durchgang: Ein deutliches 6:2 .

Erst mit dem Sieg vor Augen wird Nadal nervös

Auch in Satz zwei setzte der 32-jährige Routinier die Akzente. Der 17-fache Grand-Slam-Champion holte sich sofort wieder ein Break. Und auch wenn Tsitispas zunächst in der Folge weiteren Schaden bei eigenem Aufschlag vermeiden konnte: Servierte der Mallorquiner, bekam er kein Bein auf den Boden. Mehr als ein Punkt als returnierender Spieler pro Spiel sollte ihm erst mit dem Rücken zur Wand bei 4:5 gelingen. Dann waren es aber gegen einen vor dem Sieg stehend plötzlich nervös wirkenden Nadal gleich so viele, dass es zum Rebreak reichte.

Tsitsipas steht plötzlich vor dem Satzausgleich – und am Ende doch mit leeren Händen da

Und mehr noch. Tsitsipas entdeckte plötzlich alle Comeback-Qualitäten, die ihn die Woche über ausgezeichnet hatten. Nur die Netzkante rettete Nadal bei 5:6 und Satzball Tsitsipas vor dem Satzausgleich. Im anschließenden Tiebreak war dann ein Minibreak zugunsten des Spaniers zum 5-3 der entscheidende kleine Unterschied, der sich schließlich in einem 7-4 für Nadal manifestierte.