Dominator und Spielverderber in einem: Nadal stahl Delpo im Halbfinale der US Open die Show – mit zwischenzeitlich neun Spielgewinnen in Folge.

Als wäre Juan Martin del Potro niemals weg gewesen: Irgendwie fühlten sich die Zuschauer im weiten Rund des Arthur Ashe von Beginn an zurückerinnert – an eine längst vergangene Zeit. Acht Jahre war es her, als der Argentinier Rafa Nadal im Halbfinale vom Flushing Meadows deklassieren konnte. Mit 6:2, 6:2, 6:2 nahm er seinen Gegner damals auseinander, eher er im Finale auch Roger Federer alt aussehen ließ. Nach Delpos Geschmack durfte es diesmal gerne andersherum verlaufen: Erst Federer im Viertelfinale bezwingen, anschließend Nadal im Halbfinale. Doch daraus wurde trotz eines starken erstens Satzes nichts. Der zweimalige US Open-Sieger (2010 und 2013) verwandelte um 4:25 Uhr deutscher Zeit seinen Matchball zum 4:6, 6:0, 6:3, 6:2 gegen den einmaligen Champion von New York (2009).

Optimaler Start für del Potro: „The Gentle Giant“ ohne Mitleid

Auch wenn die Gesamtbilanz vor dem Match mit 8:5 für Nadal sprach, war das Momentum zunächst auf der Seite von del Potro. Bereits die vergangenen zwei Duelle hatte er in Shanghai und bei den Olympischen Spielen für sich entscheiden können. Zudem musste „The Gentle Giant“ auf dem Weg in dieses Halbfinale vergleichsweise die schwierigeren Kaliber aus dem Weg räumen. Ob Bautista-Agut, Thiem oder eben Federer: Delpo musste in New York bereits einige Härtetests bestehen und bekam nichts geschenkt.

Dementsprechend selbstbewusst betrat der Gaucho den Court. Zugleich wusste er aber auch, dass ihm im Verlauf des Matches die Kraft ausgehen könnte. Delpo brauchte die freien, schnellen Punkte – und bekam sie im ersten Satz auch. Vor den Augen von Stars wie Robert Redford, Leonardo DiCaprio, Bill Gates oder Tiger Woods holte sich der Argentinier das eine entscheidende Break zum 3:2, das er dank einer starken Aufschlagquote und seiner berühmten Vorhand-Krachern mit 6:4 nach Hause bringen konnte.

Rafael Nadal

 
 
 

Der Dominator ist zurück: Nadal spielt Delpo schwindelig

Wer gedacht hätte, dass es für del Potro in diesem Halbfinale so weitergehen würde wie 2009, sah sich allerdings getäuscht. Nadal präsentierte sich im 2. Satz wie ausgewechselt. Der Spanier hatte offensichtlich erkannt, dass sein Gegner nach dem intensiven ersten Durchgang bereits mit der Müdigkeit zu kämpfen hatte. In diesem Moment wurde die ganze Klasse des Dominators deutlich. Als hätte es den ersten Satz nie gegeben, fertigte der Weltranglistenerste seinen Kontrahenten in nur 27 Minuten mit 6:0 ab.

9 Spielgewinne in Folge: Leichtes Spiel für die Nummer 1

Im 3. Satz bestätigte sich dieses Bild: Man hatte den Eindruck, dass Delpo zu diesem Zeitpunkt des Matches einiges fehlte, um seinen Gegner zum Nachdenken zu bringen. Leichte Fehler, kraftlose Schläge und Rahmentreffer: Der Juan Martin del Potro des ersten Satzes war Vergangenheit. Auch die „Delpo, Delpo“-Rufe der vielen argentinischen Fans im Arthur Ashe Stadium konnten nichts daran ändern, dass Nadal zwischenzeitlich neun Spiele in Folge gewann. Das 1:3 aus Sicht del Potros war daher zwar eine Erleichterung, allerdings bei weitem kein Turnaround. Nadal blieb seinem Stil treu und konnte so seinen Gegner auf Distanz halten. Trotz eines Aufbäumens auf Seiten del Potros sicherte sich Rafa den Satz letztlich souverän mit 6:3.


Gnadenlos: Rafa bucht das Final-Ticket

Der 4. Satz begann für Juan Martin del Potro besser als die vorherigen Durchgänge, da er endlich mal sein erstes Aufschlagspiel für sich entscheiden konnte. Allerdings änderte dieses kleine Erfolgserlebnis nichts daran, dass dem Argentiniert mehr und mehr ausging. Delpo blieb keine andere Wahl, als das Risiko zu erhöhen und die Bälle noch früher zu nehmen. Dies wiederum führte jedoch zu einer größeren Fehleranfälligkeit und letztendlich zum Satz- und Matchverlust.

Die Punkte, die del Potro unter größtem Arbeitsaufwand zu Beginn des Matches noch holte, gingen ab Satz 2 regelmäßig an Nadal. Eurosport-Experte Boris Becker brachte es in seiner zwischenzeitlichen Analyse auf den Punkt: „Del Potro spielt nicht schlecht, aber Nadal spielt weltklasse.“ Dem gibt es nichts hinzuzufügen – außer vielleicht, dass der argentinische „Gentle Giant“ ebenfalls auf ein riesiges Turnier zurückblicken kann …

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