128 Herren starteten in der Hauptrunde der US Open. Zwei sind übrig geblieben: Kevin Anderson & Rafael Nadal.

Nach zwei Wochen stehen die US Open vor dem krönenden Abschluss. Die heimischen Fans haben durch die Halbfinals und das Finale bei den Damen bereits ihr Highlight gesehen. Doch heute Nacht um 22 Uhr MESZ sind die beiden übrig gebliebenen Herren an der Reihe: Überraschungs-Finalist Kevin Anderson trifft auf die Nummer eins der Welt, Rafal Nadal. Die Spielstile der beiden Finalisten könnten gar nicht unterschiedlicher sein. Was für ein Spiel erwartet uns?


Kevin Anderson musste keinen Top 10 Spieler schlagen

Zweifelsohne warn die US Open in diesem Jahr sicherlich nicht die bestbesetzten. Zahlreiche Stars mussten verletzungsbedingt ihre Teilnahme schweren Herzens absagen. Dennoch ist ein Finaleinzug nicht weniger wert, denn schließlich hatten alle teilnehmenden Profis die gleichen Voraussetzungen. Kevin Anderson hat diese Chance am Schopfe gepackt. Mit drei recht ungefährdeten Dreisatz-Siegen startete er gegen JC Aragone, Ernests Gulbis und Borna Coric in das Turnier. Danach nahm ihm Sandplatz-Spezialist Paolo Lorenzi überraschend einen Satz ab. Die us-amerikanischen Fans witterten die Chance für ihren Sam Querrey. Doch Kevin Anderson war zu stark. In einem hart umkämpften Viersatz-Match zog Querrey den Kürzeren. Plötzlich stand Kevin Anderson im Halbfinale, ohne einen Spieler aus den Top 20 geschlagen zu haben. Mit Pablo Carreno Busta wartete einer der Aufsteiger der Saison auf ihn. Doch auch er ist eher auf Sandplätzen Zuhause. Obwohl Anderson den ersten Satz verlor, konnte er die Partie noch drehen und für sich entscheiden.

Wieder traf Rafael Nadal nicht auf Roger Federer

Schon 37 Mal sind Rafael Nadal und Roger Federer in ihrer Karriere aufeinander getroffen – aber nie bei den US Open. Nach der Auslosung erhofften sich die Zuschauer, endlich dieses Duell live im Arthur Ashe Stadium bewundern zu dürfen. Im Halbfinale hätte es zu diesem Kracher kommen können. Doch Juan Martin del Potro machte diesen Hoffnungen einen Strich durch die Rechnung. Der Argentinier schlug Federer, verlor im Halbfinale dann jedoch relativ chancenlos gegen Nadal, obwohl er dem Spanier einen Satz abnahm. Dies gelang zuvor im Turnier schon weiteren Spielern. Nadal verlor Sätze gegen Taro Daniel und Leonardo Mayer. Keine Probleme hatte er mit Duasn Lajovic, Alexandr Dolgopolov und Andrey Rublev. Auffällig war aber, dass der sonst so stark returnierende Rafael Nadal mit starken Auschlägen durchaus so seine Mühe hatte. Das könnte die Chance für Kevin Anderson sein. Der Südafrikaner ist bekannt für seinen guten Service. Dieser müsste allerdings konstant stark kommen, denn viele zweite Aufschläge bestraft Nadal meist direkt mit einem Break.

Rafael Nadal

 
 
 

Was für ein Match erwartet uns im Finale Anderson-Nadal?

Den Spielstil von Rafael Nadal kennen wir alle seit Jahren. Der Spanier besticht durch eine enorm gute Beinarbeit, seine Schnelligkeit und vor allem durch seine Topspin-Schläge. Einen Punkt gegen Nadal muss sein Gegenspieler immer zweimal machen, da der Spanier nahezu alle vermeintlichen Winner noch erläuft. Weil er seine Vorhand mit links spielt, stellt er viele Gegner vor Probleme. Seine Vorhand-Cross-Schläge landen mit viel Spin auf der Rückhand der Rechtshänder. Durch die hoch abspringenden Topspin-Bälle geraten viele Gegner unter Zugzwang. Kevin Anderson könnte auf Grund seiner Größe damit weniger Probleme haben, doch der 203 Zentimeter große Südafrikaner ist nicht annähernd so wendig und flink auf den Beinen wie Nadal. Während Nadal vor allem als guter Returnspieler gilt, ist Anderson ein klassischer Aufschläger. Mit 114 Assen führt er die Statistik bei den diesjährigen US Open deutlich an. Doch der Südafrikaner kann mehr, als nur gut servieren. Nach seiner Verletzungspause scheint er sich vor allem im Grundlinienspiel stark verbessert zu haben. Nicht selten haben wir in seinen Partien der vergangenen zwei Wochen Rückhand- sowie Vorhand-Winner von der Grundlinie gesehen. Sollte er diese auch gegen Nadal anbringen können, wird er ans Netz vorrücken und dort den Punkt zu Ende spielen. In der Theorie hat Kevin Anderson seine Chancen. Doch wie sieht es dann tatsächlich auf dem Platz aus? Im H2H zumindest steht es 4:0 für Nadal. Aber irgendwann ist ja immer das erste Mal …

Anderson: „Natürlich wusste ich, dass da eine Chance ist.“

Mit Kevin Anderson im Finale der US Open hätten wohl nur die wenigsten gerechnet. Er selbst hat sich darüber gar keine großartigen Gedanken gemacht.

„Wissen Sie, ich schaue nie allzu weit nach vorn im Draw. Und ich wusste wirklich nicht, gegen wen ich spielen werde, bevor ich mein Match nicht gewann. Nur als ich gegen Paolo Lorenzi spielte, wusste ich, dass der Gewinner gegen Sam oder Mischa spielen muss. Ich habe auf jeden Fall mitbekommen, dass die untere Hälfte im Draw als einfacher galt, weil viele Topspieler fehlen. Natürlich wusste ich, dass da eine Chance ist. Aber ich musste vorsichtig sein. Ich habe mich nicht zu sehr darauf versteift.“

Nadal: „Ich bin glücklich, wenn ich gesund bin.“

Nach seiner Halbfinal-Partie gegen Juan Martin del Potro wurde Rafael Nadal von den anwesenden Journalisten gar nicht zu seinem Finalgegner Kevin Anderson befragt. Der Spanier präsentierte sich natürlich zufrieden und glücklich. Das hat jedoch nicht nur etwas mit seinen Resultaten zu tun.

„Ich sage euch was: Viel wichtiger, als Grand Slams zu gewinnen, ist für mich das Glücklichsein. Ich bin glücklich, wenn ich gesund bin, wenn ich mich gut fühle in den meisten Wochen, in denen ich spiele. Und dieses Jahr ist es so. Deshalb bin ich glücklich. Ich bin glücklich, in Monte-Carlo, Barcelona, Madrid und Paris gewonnen zu haben. Und ich bin glücklich, jetzt auch hier bei den US Open im Finale zu stehen.“

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