Es ist eine lange Tradition, dass am „Middle Sunday“ das Spielgeschehen in Wimbledon ruht — nicht so dieses Jahr.


Normalerweise ist der Middle Sunday, also der erste Sonntag, bei Wimbledon der Tag, an dem die Schläger ruhen. Es ist der Tag, an dem der Rasen sich von den vielen Tausend Schritten sowie den gelegentlichen Ungehobeltheiten der Spieler erholen soll und der Tag, an dem Wimbledon, der Stadtteil, durchatmet und keine Zehntausende Besucher durch die Straßen zur Church Road pilgern.

Nicht so in 2016.

Nachdem es während der ersten sechs Tage teils mehr, teils weniger geregnet hat, ist der Spielplan ordentlich durcheinander gewürfelt worden. Erstrundenbegegnungen fanden teilweise erst am Donnerstag statt, Roger Federer zog bereits am Freitag in die vierte Runde ein und am Samstag kämpften beispielsweise Sascha Zverev und Petra Kvitova immernoch in ihren Zweitrundenpartien.

Nach einiger Beratung gab das Oberschiedsrichterbüro am Freitag Abend dann bekannt, dass der Middle Sunday in diesem Jahr zum vierten mal nach 1991, 1997 und 2004 zu einem „People’s Sunday“ wird. Am Samstag Nachmittag um 16.00 Uhr gingen dann 22,000 Tickets für die Massen online zum Verkauf: 10,000 Centre Court Tickets zu je £70, 8,000 Court 1 Tickets zu je £35 und 4,000 Tickets für die restlichen Plätze zu je  £20 — im Jahr 2004 kosteten die Centre Court Tickets noch  £35.

Fluch und Segen

So einen richtigen Konsens zum Middle Sunday gibt es nicht: Bewohner von Wimbledon, Mitarbeiter beim Turnier und die Presse genießen den einen Tag während der sonst so hektischen zwei Wochen. Man kann Revue passieren lassen, lose Enden aus der ersten Woche zusammenfügen und sich auf den „Manic Monday“, an dem alle Achtelfinals gespielt werden, vorbereiten.

Beim einem Großteil des Publikums, das unter der Woche arbeiten muss, stößt der spielfreie Tag am Wochenende häufig auf (nachvollziehbares) Unverständnis — und nicht nur beim Publikum. In den USA wird man beim übertragenden Sender ESPN auch über das Brechen mit der Tradition jubeln — dort ist langes Wochenende und so kann man den Zuschauern zur Abwechslung sonntags auch live Tennis aus Wimbledon bieten statt nur Wiederholungen und Zusammenfassungen.

Tradition oder Sturrheit

Man hat sich ja mittlerweile fast schon an den verregneten mittel-europäischen Sommer im Jahr 2016 gewöhnt. Seit den French Open vergeht kaum ein Tag ohne Schauer oder Wolkenbruch, aber trotzdem war die Planung innerhalb der ersten Woche von Wimbledon doch teilweise gewöhnungsbedürftig. Die Favoriten und großen Namen spielten sich auf dem Centre Court in aller Seelenruhe durch ihre Matches, während abseits das große Planen Auf-und Abziehen zur Tagesordnung gehörte.

Bei den Slams wird generell immer auf dem Platz zu Ende gespielt, auf dem das Match auch began — nur selten werden dabei angefangene Matches von Court 12 auf den Centre Court geschoben. Ein Beispiel hierfür war die Erstrundenpartie von Eugenie Bouchard: Die Kanadierin durfte ihr Match mit Magdalena Rybarikova auf dem Centre Court zu Ende bringen, da Johanna Konta, nächste Gegnerin bereits mit ihrer Partie fertig war. Immer geklappt hat dieses Schema diese Woche allerdings nicht und allzu häufig wurde es auch nicht angewandt.

Wie Federer selbst sagt: Die Topstars haben es sich natürlich zu gewissen Maßen verdient, die Sicherheit des Daches zu genießen, aber wenn hierdurch einige Spieler 2 Runden vor anderen im Turnierverlauf sind, dann birgt das einige Probleme. Hierzu ist der Artikel von Nick McCarvel für USA Today durchaus empfehlenswert.

Alles ausverkauft

Auch wenn der Preis der Sonntagskarten im Vergleich zu 2004 etwa doppelt so hoch ist, waren die Karten doch in verschwindend schneller Zeit weg. Der Ansturm war groß und binnen 30 Minuten hieß es: Middle Sunday – Ausverkauft!

Mit am Start am morgigen Sonntag? Zwei absolute Highlights aus deutscher Sicht: Annika Beck fordert Serena Williams während Alexander Zverev auf Tomas Berdych trifft. Für Unterhaltung ist also garantiert — auch, weil das Publikum an der Church Road nicht das alltägliche sein wird!

 

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Hier die Auslosungen und Ergebnisse aus London: Einzel, Doppel, Einzel-Qualifikation, Doppel-Qualifikation.

Hier der Spielplan.