Unfassbar! Dieses Match hätte „Sascha“ nie verlieren dürfen.




Die griechischen Festtage in Toronto gehen weiter. Dominic Thiem und Novak Djokovic hatte Stefanos Tsitsipas bereits in beeindruckender Manier aus dem Turnier befördert, am Freitagabend war der dritte Top-10-Spieler in Folge fällig. Mit gütiger Mithilfe von Alexander Zverev.

Zverev besiegt sich selbst

Die deutsche Nummer eins gab einen sicher geglaubten Sieg aus der Hand. Trotz zwei Matchbällen, 14 Breakmöglichkeiten und der Chance, die Partie im zweiten Satz auszuservieren, verlor er das Match mit 6:3, 6:7 (11), 4:6.

Schon in den ersten Minuten drohte die Nummer komplett in die „falsche“ Richtung zu laufen. Tsitsipas drückte das Gaspedal bis zum Bodenblech durch. Nach acht Punkten in Serie lag der 19-Jährige im Handumdrehen mit 2:0 in Front. Doch wie gewonnen, so zerronnen.

Zverev schüttelte sich kurz und schlug erbarmungslos zurück: 1:2, 2:2, 3:2, 4:2 – „Sascha“ hatte die Zügel auf einmal fest in der Hand. Vor allem, weil er sich auf die Länge der Grundschläge seines Gegners besser eingestellt hatte.

„Sascha“ lässt Luft dran

Die Dominanz aus dem Medvedev-Match war zurück. Im Achtelfinale hatte der Weltranglistendritte nur 53 Minuten benötigt, um den Russen in Grund und Boden zu spielen. In dieser Tonlage machte er zunächst auch gegen Tsitsipas weiter. Nachdem der erste Satz nach gut 30 Minuten abgewickelt war, schaltete Zverev in den sechsten Gang:

1:0, 1:1, 2:1, 3:1, 4:1. Der 21-Jährige ruhte in sich selbst, wirkte in diesem Zeitraum geradezu unerschütterlich. Die Leistung gegen den talentierten Griechen war lange ähnlich souverän wie beim glatten Zweisatzsieg im Halbfinale von Washington. Doch als sich Zverev bereits gedanklich auf den Handshake vorbereitete, riss der Faden. Beim Ausservieren war der Deutsche urplötzlich völlig von der Rolle. Tsitsipas nahm dankend an – 5:5.

Zur Ehrenrettung Zverevs muss hinzugefügt werden, dass die Nummer 27 der Welt nun groß aufspielte. Der Tiebreak war der verdiente Lohn. Dort wurde es dramatisch. Zwei Matchbälle Zverev, fünf Satzbälle Tsitsipas. Nach dem Entscheidenden rastete der DTB-Profi völlig aus und hackte seinen Schläger kurz und klein.

Grausames Ende

Unnötig wie ein Kropf – es ging tatsächlich in den dritten Satz. Immerhin. Zverev hatte sich wieder gefangen, dennoch ging er weiterhin äußerst verschwenderisch mit seinen Breakchancen um. Erst die sechste saß. Geholfen hat es nicht, gleich im nächsten Aufschlagspiel war der Vorteil schon wieder dahin.

Die Fans des Deutschen dürften kurz vor dem Nervenzusammenbruch gestanden haben. Und waren am Ende wohl nicht weit davon entfernt. Mit einem Doppelfehler gab Zverev das Match ab. Titelverteidigung futsch! Nummer drei der Welt weg! Tennis kann so brutal sein.